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HWK: Constanze Knaack-Schweigstill

Vom Himmel fallen sie nicht!

Vollversammlung: Betriebe müssen ihre Verantwortung selbst erkennen

Die Konjunktur im Handwerk brummt. Die Betriebe haben alle Hände voll zu tun. Die Stimmung ist weiterhin blendend. Das hat eine aktuelle Umfrage unter 1.300 Mitgliedsbetrieben der HWK ergeben. Demnach beurteilen fast 94 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Einziger, aber gravierender Wermutstropfen: der Fachkräftemangel. Im Handwerk der Region Trier sind aktuell 2.000 Arbeitsplätze unbesetzt (s. Seite T1). Bei der Herbst-Vollversammlung rief Kammerpräsident Rudi Müller dazu auf, nicht aufzugeben und jetzt aktiv gegenzusteuern: „Es liegt ganz stark an uns selbst, ob wir Fachkräfte bekommen oder nicht. Wir haben es selbst in der Hand!“ 

Schon im Praktikum würden viele Chancen vertan: „Wir kümmern uns nicht genug um Praktikanten! Mitarbeiter sind nicht informiert, der Chef hat keine Zeit. So verlieren wir wertvolles Ausbildungspotenzial und eine gute Werbung für den eigenen Betrieb!“ Zugleich würden sich die Klagen über fehlende Bewerber für eine Ausbildung häufen. „Wir müssen die jungen Menschen mit dem Praktikum begeistern und für unseren Betrieb interessieren, ihnen außerdem die Attraktivität des Handwerks und seine Karrierechancen aufzeigen“, so Müller. Daher habe die Kammer das Konzept Praktikumscoach entwickelt (s. Seite T3). Die ersten Unternehmen hätten es bereits erfolgreich angewendet. 

Auch in der Ausbildung sind die Betriebe gefordert. Jahr für Jahr bleiben etwa 500 Lehrstellen in der Region unbesetzt. Weitere 500 junge Menschen brechen ihre Lehre ab. „Natürlich liegt das in vielen Fällen an den Lehrlingen selbst, oft aber auch an uns“, erklärte der Kammerpräsident. Viele Lehrlinge, die „Überstunden schrubben“, erhielten dafür weder einen Ausgleich noch Wertschätzung. Zudem fehlten häufig junge Meister. Deshalb sei es äußerst wichtig, so Müller, Gesellen in die Meisterkurse zu schicken. „Wer bringt frischen Wind in Eure Ausbildung, wenn nicht junge Meister? Aber wo sollen sie denn herkommen, wenn wir sie in der jetzigen Situation nicht selbst weiterqualifizieren? Vom Himmel fallen sie nicht!“, sagte er. 

„Wir alle müssen in unseren Betrieben jetzt etwas verändern, damit wir gute Praktika anbieten, gute Ausbilder und attraktive Arbeitgeber werden“, sagte Müller. Ob das gelingt, liegt ganz allein an uns. Das ist jetzt unsere Hauptaufgabe, um unser Handwerk zukunftssicher zu machen.“ Die HWK unterstütze die Betriebe dabei mit einem modernen Bildungszentrum und vielen Beratungsleistungen. „Wir müssen den Weg der Fachkräftesicherung gemeinsam gehen“, sagte Müller. „Nur dann sind wir erfolgreich!“ Auch die Kammer arbeite daran, sich zu einem modernen Dienstleister zu entwickeln, sagte Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf: „Hier ist viel in Bewegung.“ So sollen etwa Kundenorientierung, Digitalisierung oder Imagekampagne des Handwerks mehr in den Mittelpunkt rücken. 

Die Kammer werde sich weiter darauf konzentrieren, das Handwerk zu stärken und ihre Mitglieder für die Zukunft fit zu machen. Als Beispiele nannte er zentrale Ziele: eine gute Ausbildungsqualität, zeitgemäßes Know-how sowie eine erfolgreiche Ausbildungs- und Führungskultur in den Handwerksbetrieben. Weitere wichtige Themen für 2019 seien der Einsatz für den flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes sowie den Lückenschluss der A 1, die Vertretung der Handwerksinteressen in Sachen Globus-Markt sowie die Ausrichtung der ÖKO und der Ausbildungsmesse Chance Handwerk. Zudem stehe die Neuwahl zur HWK-Vollversammlung an. „2019 wird ein besonderes Jahr mit einer Zäsur“, kündigte Bettendorf an. „All unsere Aufmerksamkeit und sicherlich auch das Augenmerk der Öffentlichkeit richtet sich auf die Fertigstellung unseres neuen Bildungszentrums.“ 

Müller, Rudi (Präsident)

Rudolf Müller

Präsident

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