Moritz Kesseler
HWK Trier

Zinken, Zapfen, CNC - Tradition trifft Moderne

Ausstellung der Meisterstücke in der HWK zeigte Vielfalt des Tischlerhandwerks

Das Meisterstück von Andreas Kunz aus Zerf gefiel Oberbürgermeister Wolfram Leibe am besten. Das Büromöbel aus furniertem Rosenholz ist ein vorne und seitlich leicht abgeschrägt. Sechs versteckte Schubkästen bieten reichlich Stauraum. Die lackierte Ablagefläche glänzt weinrot. Erst am Tag vor der Ausstellung hat Andreas Kunz erfahren, dass er seine Meisterprüfung bestanden hat. So wie jedes Jahr findet die Ausstellung der Tischler-Meisterstücke in der Kammer am Tag nach Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse statt. An dieser Tradition hielt die Handwerkskammer (HWK) Trier auch in diesem Jahr fest.

Neu war jedoch der Ausstellungsort: Im lichtdurchfluteten Neubau der Kammer kamen die Meisterwerke noch besser zur Geltung als im mittlerweile abgerissenen Tagungszentrum der HWK aus den 60-er Jahren. Als „funktional und ästhetisch hervorragend“ lobte Leibe das Möbelstück von Kunz stellvertretend für alle, die im neuen Bildungszentrum der HWK ihre Meisterstücke zeigen. „Kompliment!“, brachte er seine Wertschätzung auf den Punkt. „Es gibt ganz viele junge Menschen, die Vorbilder und Beispiele wie Sie brauchen, damit sie sich für diesen Beruf entscheiden können.“

Ein Stockwerk höher sieht sich der Bundestagsabgeordnete und HWK-Vorstandsmitglied Patrick Schnieder aus der Eifel das Meisterstück von Jonas Ernzer aus Dingdorf an. Dessen TV-Schrank in Eiche und Räuchereiche ist mit Raffinessen gespickt: vom seitlich ausfahrbaren Schubkasten mit unsichtbarem Griff hin bis zum Fach für den versteckten Stromanschluss. Die eingefrästen geometrischen Formen erinnern an eine Handvoll geworfener Mikadostäbchen.

Computergesteuertes Fräsen macht vieles möglich und leichter. Tom Scherrer aus Reil beispielsweise hat diese moderne Technik genutzt, um den präzisen Verlauf der Mosel in seinem Meisterstück zu verewigen. Das Ornament auf der Oberfläche seines Stehtisches mit Barschrank zieht die Aufmerksamkeit vieler Ausstellungsbesucher auf sich. Blickfang sind immer wieder auch traditionelle Techniken, etwa gezinkte oder gezapfte Eckverbindungen ohne Schrauben und Nägel. Für Patrick Schnieder spiegeln die Arbeiten vor allem die hohe und zeitgemäße Qualität der Ausbildung in Deutschland wider sowie Tradition und Innovation: „Die Ausstellung zeigt, welchen Stellenwert der Meister hat. Handwerk steht für Zukunft, aber auch Hightech. Tolle Stücke!“

Maximal 18 Arbeitstage hatten die Absolventen Zeit, um ihr Meisterstück zu planen, zu kalkulieren und in Form zu bringen. Die Arbeiten vermitteln einen kleinen Einblick davon, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die angehenden Tischlermeister in ihrer anderthalbjährigen Meisterausbildung an der HWK erworben haben. Ob Barschrank, Sideboard, Phonomöbel oder Esstisch: allesamt Unikate, Hingucker, Schmuckstücke – gewissermaßen auch Wertanlage, nicht nur ideell. Je nach Aufwand liegt der Wert der ausgestellten Stücke zwischen 3.000 und 13.000 Euro. Spitzenreiter ist das Sideboard von Fabian Peters aus Körperich. Dessen Frontverkleidung ziert eine aufwändige Wabenstruktur. 

Nach ihrer Ausbildung heißt es nun für die Absolventen, darunter zwei Frauen, das Beste aus der hochgeschätzten Qualifikation zu machen. „Das Handwerk wartet auf Sie als Ausbilder im Betrieb, als Projektleiter, als selbständiger Handwerksunternehmer.“ Zum Meistersein gehört aber noch mehr, wie Kammerpräsident Rudi Müller betonte: „Als Meister müssen Sie von Ihrem Handwerk begeistert sein und Ihre Kunden von Ihnen! Der Kunde zahlt letztendlich den Lohn!“ 

Unterdessen wartet schon der nächste Meisterkurs – auf die Führung durch die Ausstellung und auf den Startschuss des Lehrgangs im Oktober. Die angehenden Meisterschüler nutzen sie die Gelegenheit, die Meisterwerke des Vorgängerlehrgangs zu bestaunen. Aus Erfahrung kennt Studiendirektor Hans Löber von den Berufsbildenden Schulen (BBS) Saarburg-Hermeskeil die Bedenken der angehenden Meisterschüler schon vor dem Rundgang: „Oh je, das werden wir nie schaffen“, bekommt er bei der Besichtigung der anspruchsvollen Meisterstücke oft zu hören. Löber kennt vorab schon auch das Ende der Geschichte: „Am Schluss schaffen sie es dann aber doch und sind stolz auf ihren Meistertitel!“ 

 

Neue Tischlermeister und -meisterinnen:

Jonas Ernzer (Dingdorf) – TV-Schrank in Eiche und Räuchereiche

Martina Fritsch (Frisange, Luxemburg) – Esstisch mit Sitzbank in Nussbaum und Eiche

Claudia Hennen (Zerf) – Phonomöbel in Eiche

Alexander Irsch (Taben-Rodt) – Barschrank in Eiche und Mooreiche 

André Johann (Roes) – Anrichte in Eiche und Esche

Moritz Kesseler (Igel) – Barschrank in Eiche und Räuchereiche

Sascha Klötsch (Katzwinkel) – Couchtisch in Eiche und lackiertem MDF

Ruben Koech  (Leiwen) – Esstisch in sibirischer Lärche

Andreas Kunz (Zerf) – Büromöbel aus Roseneiche Furnier und MDF mit Farbkontrast

Fabian Peters (Körperich) – Sideboard in Eiche und MFD/Farblack

Tom Scherrer (Reil) – Barschrank in Nussbaum und lackiertem MDF

Kevin Schettgen (Nittel) – Stehtisch mit Barschrank in Eiche mit lackiertem MDF

Michael Thonet (Trier) – Sideboard/Hängeschrank in schwarzem MDF/Buche



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