Sommerfest des Handwerks: Hoffnung braucht Taten

Karussell-Element

JahrestreffenSommerfest des Handwerks: Hoffnung braucht Taten

Zwischen wirtschaftlichen Herausforderungen, Aufbruchsstimmung und guten Gesprächen spannte das Sommerfest des Handwerks am 4. September im Campus Handwerk einen Bogen, der weit über einen geselligen Abend hinausging. Mehr als 140 Gäste aus Handwerk, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft nutzten die Veranstaltung, um Ideen auszutauschen, Netzwerke zu knüpfen und gemeinsam einen Blick auf die Zukunft des Handwerks zu werfen. Eingeladen waren alle Mitglieder der Handwerkskammer Trier sowie zahlreiche Partner aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nach dem gelungenen Auftakt im Jubiläumsjahr soll sich das Format nun als fester Treffpunkt etablieren.

Bereits in seiner Begrüßung spannte HWK-Präsident Bernd Elsen den Bogen zwischen wirtschaftlichen Herausforderungen und einer insgesamt stabilen Entwicklung des Handwerks. Sein Credo: Realismus ohne Schwarzmalerei. Zwar sei die wirtschaftliche Lage vieler Branchen herausfordernd, das Handwerk stehe insgesamt jedoch stabil da. „Unsere Konjunkturumfrage belegt, dass das Handwerk zwar eine Delle bei den Umsätzen hinnehmen muss, aber alles in allem noch stabil dasteht“, sagte Elsen. Besonders erfreulich sei, dass die Ausbildungszahlen erstmals seit Jahren wieder steigen. Das spreche sich herum: Das Handwerk biete sichere Arbeitsplätze mit Zukunft. Sein Fazit brachte er mit einer traditionsreichen Handwerkerweisheit auf den Punkt: „Bei aller Bescheidenheit: Handwerk hat goldenen Boden!“

Mit Blick auf den neuen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder machte Elsen deutlich, dass das Handwerk bereit ist, am Fundament für ein starkes Rheinland-Pfalz mitzubauen. Dafür brauche die Wirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen: weniger Bürokratie, bessere Bildung, mehr Tempo beim Wohnungsbau, moderne Infrastruktur und finanziell handlungsfähige Kommunen. Viele dieser Themen fänden sich bereits im Koalitionsvertrag wieder. Nun gehe es darum, Projekte zügig umzusetzen. „Hier sind wir Ihre Partner: Auf das Handwerk können Sie bauen!“, so Elsen.

Ministerpräsident Gordon Schnieder, der als Trierer die Region bestens kennt und dem Handwerk seit Jahren eng verbunden ist, griff diesen Ball auf. Rheinland-Pfalz müsse wieder mehr Gründungsland werden und dafür deutlich an Geschwindigkeit gewinnen. Behörden dürften sich nicht gegenseitig ausbremsen, Planungen und Genehmigungen müssten schneller werden. Die Menschen müssten spüren, dass sich bei Verkehrs-, Sport- und Bildungsinfrastruktur etwas bewege. Zwei Drittel des 5,45 Milliarden Euro schweren Sondervermögens flössen direkt in die Kommunen. „Davon profitiert auch das Handwerk“, betonte Schnieder.

Auch beim Thema Bildung sieht der Ministerpräsident großen Handlungsbedarf. Alle Kinder sollten mit vergleichbaren Startchancen in ihre Schullaufbahn gehen. Sprachförderung und solide Grundkompetenzen seien dafür entscheidend. Das Handwerk werde dabei auch künftig eine zentrale Rolle spielen. Im Zeitalter künstlicher Intelligenz bleibe es ein robuster Wirtschaftsbereich, der Tradition und Zukunft erfolgreich miteinander verbinde.

Passend dazu lenkte die Trierer Professorin Dr. Katrin Muehlfeld von der Universität Trier den Blick auf die langfristigen Perspektiven des Handwerks. Unter dem Titel „Handwerk 2026 – hoffnungslos abgehängt oder Hoffnungsträger Nr. 1 im Arbeitsmarkt der Zukunft?“ analysierte sie Chancen und Risiken eines Arbeitsmarktes im Wandel. Zwar seien die jüngst steigenden Ausbildungszahlen ein positives Signal, doch viele Lehrstellen blieben weiterhin unbesetzt. Die Gründe für das aktuelle Plus seien vielfältig: weniger Ausbildungsplätze in der Industrie, bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten im Handwerk, erfolgreiche Imagearbeit und die wachsende Erkenntnis, dass praktische Berufe von den Auswirkungen künstlicher Intelligenz deutlich weniger betroffen sind.

Ob daraus eine echte Trendwende werde oder nur ein „Strohfeuer“, müsse sich jedoch erst zeigen. Muehlfeld zeigte sich überzeugt, dass handwerkliche Berufe auch in zehn Jahren unverzichtbar sein werden. Gerade Tätigkeiten, die praktische Erfahrung, Kreativität, Präzision und den direkten Umgang mit Menschen erfordern, seien auf absehbare Zeit nicht durch Roboter zu ersetzen. Hoffnung allein reiche allerdings nicht aus. „Hoffen heißt Handeln!“, lautete ihre zentrale Botschaft.

Handlungsbedarf sieht die Wissenschaftlerin vor allem bei der frühen Berufsorientierung. Die beruflichen Weichen würden häufig schon im Kindesalter gestellt. Deshalb müsse das Handwerk deutlich früher sichtbar werden, idealerweise bereits in Kitas und Grundschulen. Neben digitalen Kompetenzen brauche es wieder mehr praktische Erfahrungen durch Werk- und Technikunterricht. Kinder und Jugendliche sollten früh erleben, dass sie mit ihren eigenen Händen etwas schaffen können. Gleichzeitig müsse das Handwerk selbst attraktiv bleiben: mit wertschätzender Unternehmenskultur, Entwicklungsmöglichkeiten und modernen Arbeitsbedingungen für die junge Generation.

Nach diesen Denkanstößen wurde das theoretische Fundament des Abends bei Livemusik und vielen Gesprächen weiter ausgebaut. In der offenen Atmosphäre des lichtdurchfluteten Foyers des Campus Handwerk wurde diskutiert, Kontakte wurden geknüpft und bestehende Verbindungen gefestigt. Genau darin liegt der besondere Wert des Sommerfestes: Es bringt die Menschen zusammen, die an den Zukunftsfragen der Region arbeiten.

 Der Abend machte deutlich: Das Handwerk wartet nicht darauf, dass sich Lösungen von allein ergeben. Es packt an, bringt Akteure zusammen und gestaltet Zukunft aktiv mit. Oder um es mit dem Leitgedanken des Abends zu sagen: Aus Hoffnung wird erst dann ein tragfähiges Werkstück, wenn man sie gemeinsam in die Tat umsetzt.

Das Sommerfest in der HWK-Bildergalerie: hier