Betriebsbesuche Minister Ebling auf Stippvisite bei den Machern
Wie gewinnt das Handwerk Fachkräfte? Was motiviert junge Menschen für eine Ausbildung? Und wie verändern Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel die Betriebe? Antworten auf diese Fragen suchte Wirtschaftsminister Michael Ebling bei seinem Besuch im Kammerbezirk Trier und traf dabei auf eine Branche, die Herausforderungen nicht schönredet, aber mit bemerkenswertem Optimismus nach vorn blickt.
Schon beim Rundgang durch den Campus Handwerk der HWK Trier wurde deutlich, wie modern Ausbildung heute sein kann. Minister Ebling lobte Deutschlands erste Ausbildungsstätte in Passivhausbauweise: „Das moderne Zentrum mit der hellen, offenen Gestaltung zeigt den Jugendlichen, dass sie hier eine hochwertige Ausbildung erhalten. Das sendet gerade an junge Menschen ein starkes Signal: Handwerk ist innovativ, zukunftsorientiert und bietet mir beste Perspektiven für meine Ausbildung.“
In Gesprächen mit Ausbildungsmeistern verschiedener Gewerke zeigte sich, wie stark sich die Ausbildung verändert hat. Nicht jede berufliche Laufbahn verläuft heute geradlinig, gleichzeitig entscheiden sich viele junge Menschen ganz bewusst für das Handwerk und bringen Motivation sowie Leistungsbereitschaft mit. Elektroausbildungsmeister Patrick Gierens betonte, dass Ausbildung längst mehr sei als die Vermittlung fachlicher Inhalte. Junge Menschen bräuchten Orientierung, Unterstützung und verlässliche Ansprechpartner. „Zugleich sind die Chancen, die das Handwerk bietet, größer denn je“, sagte er.
Dass diese Chancen erkannt werden, zeigt auch die Friseurwerkstatt. Aus einem zweiwöchigen Ferientrainee-Programm im Juli konnten bereits acht von zehn Teilnehmenden an Ausbildungsbetriebe vermittelt werden. Ausbildungsmeisterin Corinna Jäger räumte dabei mit alten Vorurteilen auf: Das Klischee schlechter Verdienstmöglichkeiten sei längst überholt. Spezialisierungen, Weiterbildungen und die Perspektive einer späteren Selbstständigkeit eröffneten attraktive Karrierewege. Auffällig sei zudem das wachsende Interesse junger Männer am Friseurberuf.
Wie sich die berufliche Bildung auf die Generation Alpha vorbereitet, demonstrierte Medienpädagoge Jonas Wiegand mit digitalen Werkzeugen und modernen Lernformaten. Sein Ansatz: Junge Menschen dort abholen, wo sie stehen. „Das Handwerk wird immer digitaler“, sagte er. „Also muss es auch die Ausbildung werden und ebenso die Ausbilder.“
Dass Digitalisierung und Handwerk längst Hand in Hand arbeiten, zeigte sich anschließend bei M&S Zahntechnik in Trier. Zwischen Scannern, Bildschirmen und modernsten Fertigungsverfahren herrschte geschäftiges Treiben. Unternehmensgründer Sven Schmitz, der den Betrieb seit 2007 von sechs auf heute 36 Mitarbeitende aufgebaut hat, beschrieb seine Branche als permanenten Veränderungsprozess. Wer Fachkräfte gewinnen und halten wolle, müsse bereit sein, neue Wege zu gehen. Trotz aller technischen Möglichkeiten bleibe jedoch der Mensch entscheidend: „Es geht nicht alles digital“, betonte Schmitz. Erfahrung, handwerkliches Können und Fingerspitzengefühl seien in der Zahntechnik unverzichtbar. Gleichzeitig werde der Fachkräftemangel vielerorts zunehmend zu einem Nachfolgeproblem, weil zahlreiche Laborinhaber in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Die Digitalisierung eröffne jedoch immer neue Möglichkeiten und helfe dabei, Patienten effizient und wohnortnah mit hochwertigem Zahnersatz zu versorgen.
In der Tischlerei Hubert Schmitt in Welschbillig-Ittel ist bereits der Nachfolger mit am Ruder. Vor fünf Jahren ist Sohn Paul in die Geschäftsführung des 1978 gegründeten Familienbetriebs eingestiegen. Seniorchef Hubert Schmitt kennt die Herausforderungen des Handwerks aus jahrzehntelanger Erfahrung. Neben dem Fachkräftemangel sieht er vor allem den wachsenden Verwaltungsaufwand kritisch. Genehmigungen, Dokumentationspflichten und langwierige Verfahren kosteten Zeit, Personal und Geld. Während größere Unternehmen solche Belastungen oft noch auffangen könnten, stießen kleinere Betriebe zunehmend an ihre Grenzen.
Wie ein roter Faden zog sich während des gesamten Besuchs die besondere Lage des Kammerbezirks Trier durch die Gespräche. Die Nähe zu Luxemburg eröffnet wirtschaftliche Chancen, verschärft aber zugleich den Wettbewerb um Fachkräfte. Jeder fünfte Geselle wandert ins Nachbarland ab. Vor diesem Hintergrund wurde auch darüber gesprochen, wie die Ausbildungsleistung der Betriebe stärker anerkannt werden kann. Denn hinter allen Überlegungen steht dasselbe Ziel: Fachkräfte in der Region halten und diejenigen Betriebe stärken, die Zeit, Geld und Herzblut in die Ausbildung investieren.
Paul Schmitt blickt dennoch optimistisch nach vorn. Mit rund 65 Mitarbeitenden und acht Auszubildenden ist die Tischlerei gut aufgestellt. Nachwuchssorgen kennt das Unternehmen weder bei der Betriebsnachfolge noch bei der Ausbildung. Die Nachfrage nach Lehrstellen ist so groß, dass der Betrieb seine Bewerber auswählen kann.
Am Ende des Tages blieb vor allem ein Eindruck: „Das Handwerk in der Region Trier kennt seine Herausforderungen, denen es mit Innovationskraft, Verantwortungsbewusstsein und Unternehmergeist begegnet“, so Michael Ebling. Der Besuch des Ministers zeigte, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Politik und Betrieben ist. Denn wer Werkstätten betritt, mit Ausbildern spricht und Unternehmern zuhört, versteht die Realität des Handwerks besser als jede Statistik.