Lehrling des Monats Helfen und Heilen als Haltung
Am Morgen ihrer Auszeichnung zum »Lehrling des Monats« klingelt in Gerolstein um 5.30 Uhr der Alarm. Romy Leschke zieht die Einsatzkleidung an und rückt aus: Ein Elektroauto meldet eine Überhitzung, der Bordcomputer fordert den Besitzer auf, die Feuerwehr zu rufen. Nur wenige Stunden später ruft ein ganz anderer Termin: HWK-Präsident Bernd Elsen zeichnet die Auszubildende der Orthopädie Krämer GmbH in Gerolstein als »Lehrling des Monats« der Handwerkskammer Trier aus – für ihre Leistungen in Ausbildung, Schule und Ehrenamt. Neben der Urkunde erhält die 21-Jährige einen Weiterbildungsgutschein sowie 100 Euro in bar.
Helfen, anpacken, Verantwortung übernehmen: Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der jungen Handwerkerin. Vor ihrer Ausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin absolvierte Romy ein Freiwilliges Soziales Jahr im Gerolsteiner Krankenhaus. Danach ließ sie sich beim Deutschen Roten Kreuz zur Rettungshelferin ausbilden. Ihr Interesse an Medizin war also früh da. Gleichzeitig suchte sie einen Beruf, der praktisches Arbeiten mit handwerklichem Können verbindet. Schon als Kind hatte sie gerne mit Holz und Metall gewerkelt und Dekorationen gebastelt.
Auf der Suche nach einem passenden Beruf stieß sie schließlich auf Videos aus der Orthopädietechnik. Schnell wurde ihr klar, wie sinnvoll und vielseitig diese Arbeit ist: Menschen mit den eigenen Händen dabei zu helfen, ihren Alltag besser zu meistern. Ein zweiwöchiges Praktikum bei Orthopädie Krämer machte dann alles klar. »Danach wusste ich: Das ist es!«, erinnert sie sich. Die Mischung aus Handwerk, moderner Technik und Nähe zu den Menschen begeistert sie bis heute.
Inzwischen ist Romy im dritten Ausbildungsjahr zur Orthopädietechnik-Mechanikerin und liefert gute bis sehr gute Leistungen in Berufsschule und Zwischenprüfung ab. Zusätzliche Erfahrungen sammelte sie bei Azubicamps der Bundesfachschule für Orthopädietechnik in Dortmund und Neuwied. Besonders häufig fertigt sie sogenannte DAFO-Orthesen an, dynamische Fuß-Knöchel-Orthesen für Kinder. Sie unterstützen beispielsweise junge Patientinnen und Patienten mit neurologischen Einschränkungen dabei, sicherer zu stehen und zu gehen.
»Jedes Hilfsmittel ist Maßarbeit, jedes Krankheitsbild anders, jeder Mensch sowieso«, sagt Romy. Mindestens genauso wichtig wie handwerkliches Können ist dabei der Umgang mit den Kunden. Schmerzen, gesundheitliche Einschränkungen oder Rückschläge gehören für viele Betroffene zum Alltag. »Ich gebe bei jedem Kunden mein Bestes. Ich möchte einfach, dass die Menschen zufrieden nach Hause gehen«, sagt die junge Gerolsteinerin. »Wenn Menschen nach einer Verletzung, Erkrankung oder Einschränkung wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen, macht auch mich das glücklich.«
Dass ihr das gelingt, bestätigt Firmenchef Ralf Krämer. Sein Betrieb wurde bereits als »Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz« ausgezeichnet und nun von der HWK als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb geehrt. »Romy ist sehr einfühlsam im Umgang mit Menschen. Sie hört aufmerksam zu, erkennt Bedürfnisse und begegnet anderen mit echter Wertschätzung«, so Krämer. »Denn Heilung braucht nicht nur Zeit, sondern auch das Gefühl, gesehen und akzeptiert zu werden.«
Wie viel eine gute Versorgung bewirken kann, erlebt die Auszubildende immer wieder. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine junge Frau, die dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen war. Mit einer individuell angefertigten Ganzbeinorthese konnte die Betroffene erstmals seit Jahren wieder aufstehen und sogar einige Schritte gehen. »Das war unglaublich. Ich habe mich riesig mit ihr gefreut!«
Tatkraft zeigt Romy nicht nur im Beruf. Seit 2021 engagiert sie sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Zwei Vollbrände, technische Hilfeleistungen oder die sprichwörtliche Katze auf dem Baum: Die junge Frau hat die Bandbreite der Einsätze schon miterlebt. Seit 2025 ist sie außerdem stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Ob bei einem Feuerwehreinsatz, in der Werkstatt oder beim Umzug von Freunden: Die Handwerkerin packt mit an, wenn Menschen Unterstützung brauchen. Für Ausgleich sorgt die Musik. Im Fanfarenzug der Stadtsoldaten spielt sie Trompete und ist auf Weinfesten sowie im Karneval regelmäßig mit dabei.
Romy Leschke verbindet handwerkliches Geschick mit fachlichem Ehrgeiz und sozialem Engagement. Die Auszeichnung zum Lehrling des Monats kommt daher nicht von ungefähr. Vor allem aber besitzt die Auszubildende etwas, das sich nicht in Zeugnissen oder Prüfungen messen lässt: den Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Mal in Feuerwehrkluft, mal mit Trompete, mal an der Werkbank. Aber immer mit vollem Einsatz.
Das Video zur Auszeichnung von Romy Leschke zum "Lehrling des Monats" finden Sie hier.
Die Bilder zur Ehrung von Romy Leschke finden Sie hier.
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