Tess Brahm
Zufrieden nach dem erfolgreichen Kompetenznachweis: Jürgen Rauschenbach, Volodomyr Skubenych und Hans-Jörg Bender (v. l.)

KompetenznachweisHandwerkliches Können als Türöffner zum deutschen Arbeitsmarkt

Als Volodomyr Skubenych an diesem Tag die Werkstatt von Kunstschmiedemeister Hans-Jörg Bender in Schweich betrat, ging es weder um einen Auftrag noch um einen Kunden. Stattdessen sollte der ukrainische Metallgestalter vor den Augen von Experten sein handwerkliches Können unter Beweis stellen: Er musste ein ornamentales Geländerelement anfertigen. Die Arbeitsprobe war Teil einer Qualifikationsanalyse und ein wichtiger Schritt auf seinem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt. Für den 29-Jährigen stand dabei viel auf dem Spiel.

Bereits in seiner Ausbildung standen dekorative und kunsthandwerkliche Metallarbeiten im Mittelpunkt. Er absolvierte ein Bachelorstudium an der Transkarpatischen Akademie der Künste in Uschhorod. Danach fertigte er viele Jahre lang Metallkonstruktionen, Geländer, Treppen und dekorative Schmiedearbeiten an. Dann kam der Krieg. Der junge Mann floh 2023 nach Deutschland. Ohne anerkannte Berufsqualifikation, mit lückenhaften Unterlagen und geringen Deutschkenntnissen erwies sich die Suche nach einer Stelle in seinem erlernten Beruf zunächst als schwierig.

In der Region seines Wohnorts Landau gab es keinen Betrieb, in dem er sein gestalterisches Können im Metallbau einbringen konnte. Doch bei seiner Internetrecherche wurde er auf die Kunstschmiede von Hans-Jörg Bender in Schweich aufmerksam. Dort bewarb er sich initiativ mit einer selbst zusammengestellten Mappe. Der Firmenchef Hans-Jörg Bender erkannte, dass es Skubenych nicht am Können fehlte. Doch Berufserfahrung und ein positiver Eindruck allein reichen für die Anerkennung eines Berufsabschlusses in Deutschland nicht aus. So konnte er in einer Qualifikationsanalyse seine beruflichen Kompetenzen praktisch nachweisen. Anerkennungsberater Jürgen Rauschenbach von der Handwerkskammer Trier und Hans-Jörg Bender begleiteten ihn bei der Arbeitsprobe. 

Die Aufgabe verlangte fachliches Können und Selbstständigkeit: Aus einem Stück Metall sollte der Kandidat ein Geländerornament herstellen. Dafür musste er die notwendigen Arbeitsschritte eigenverantwortlich planen und präzise ausführen. „Die Sprache hat mir mehr Sorgen gemacht als die praktische Aufgabe“, erzählt Skubenych. Seine Deutschkenntnisse liegen inzwischen auf Niveau B1. Arbeitsanweisungen versteht er, auch einfache Fachgespräche kann er führen. Nach der Arbeitsprobe fiel das Ergebnis der Bewertenden eindeutig aus: Volodomyr Skubenych verfügt über die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, um in Deutschland als Metallbauergeselle arbeiten zu dürfen.

Dass Können oft mehr sagt als Worte, zeigte sich an diesem Tag besonders deutlich. „Handwerkliche Qualität kennt keine Sprachgrenzen“, sagt Rauschenbach. „Während Zeugnisse und Dokumente geprüft werden müssen, beweist eine sauber ausgeführte Schmiedearbeit unmittelbar, was jemand kann. Herr Skubenych hat uns mit seiner Arbeitsprobe überzeugt und alle Herausforderungen gemeistert.“

Skubenych war nach der bestandenen Kompetenzfeststellung sichtbar erleichtert: „Ich bin glücklich, dass ich nun in Deutschland als Metallbauergeselle arbeiten und einen dauerhaften Aufenthaltstitel beantragen kann.“ Noch am selben Tag folgte die nächste gute Nachricht: Bender bot dem frisch anerkannten Metallgestalter einen Arbeitsvertrag an. Dieser zögerte nicht lange und willigte ein. „Man merkt schnell, ob jemand sein Handwerk beherrscht, ein gutes Formgefühl hat und auch unseren künstlerischen Ansprüchen gerecht wird“, sagt Bender. „Herr Skubenych hat uns mit seiner Arbeit überzeugt.“

Für die Handwerkskammer Trier ist der Fall ein Beispiel dafür, wie Anerkennung und Fachkräftesicherung zusammenwirken können. „Wir erleben häufig, dass Menschen über viele Jahre Berufserfahrung verfügen, ihre Kompetenzen aber nicht vollständig dokumentieren können“, erklärt Rauschenbach. „Bei der Qualifikationsanalyse steht deshalb nicht das Papier, sondern das Können im Mittelpunkt. Herr Skubenych zeigt, wie erfolgreich dieser Weg sein kann: Fachkräfte erhalten die Chance, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten, und Betriebe gewinnen qualifizierte Mitarbeiter.“



Jürgen Rauschenbach

Anerkennungsberatung

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