HWK Trier

BetriebsberatungFachlich top, aber betriebswirtschaftlich unter Druck?

Morgens um halb sieben. In der Werkstatt riecht es nach Holzstaub und Kaffee. Der erste Mitarbeiter ist schon da, draußen rollt der Transporter vom Hof. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Angebote und Rechnungen. Das Tagesgeschäft läuft. Aber im Hinterkopf arbeiten Fragen: Rechnet sich die neue Maschine? Warum bleibt am Monatsende weniger übrig als gedacht? Und wer übernimmt den Betrieb eigentlich irgendwann? Solche Gedanken gehören heute zum Alltag vieler Handwerksunternehmer. Denn neben Baustelle, Kunden und Mitarbeitern kommt eine weitere Aufgabe dazu: das Unternehmen wirtschaftlich zu leiten.

Im Handwerk wird vieles innerhalb der Familie oder im Betrieb besprochen. Doch manchmal hilft ein unabhängiger Blick von außen. Ein Betriebsberater bringt Erfahrung aus vielen Unternehmen mit und kann Dinge ansprechen, die intern oft untergehen. Meistens reicht ein strukturiertes Gespräch, um neue Perspektiven zu entdecken. „Viele Betriebe sind fachlich top aufgestellt“, sagt Dario Galuppo, Betriebsberater an der Handwerkskammer Trier. „Aber im Alltag bleibt kaum Zeit, sich strukturiert mit Zahlen, Planung oder Strategie zu beschäftigen. Genau dabei helfen wir.“

Hier beginnt die Arbeit der HWK-Betriebsberater. Sie sind keine Kontrolleure und keine Theoretiker aus dem Elfenbeinturm, sondern Gesprächspartner auf Augenhöhe. Als Fachleute bringen sie etwas mit, das im hektischen Betriebsalltag oft fehlt: Zeit für den Blick aufs Ganze. Die Handwerkskammer Trier rät, sich möglichst frühzeitig an die Betriebsberatung zu wenden. „Viele Unternehmer werden erst aktiv, wenn der Druck schon groß ist. Unsere Erfahrung zeigt: Je früher die Beratung genutzt wird, desto mehr bringt sie“, sagt Berater Dario Galuppo. „Ob Investition, Wachstum, Digitalisierung oder Nachfolge – ein Gespräch kann helfen, Klarheit zu schaffen. Und manchmal reicht schon ein Termin, um wieder mit einem besseren Gefühl zurück in die Werkstatt zu gehen.“

Mitglieder der Handwerkskammer können sich mit all ihren Anliegen an die Betriebsberatung wenden. Willkommen sind Fragen zu fast allen betrieblichen Themen – etwa Finanzierung, Personal, Organisation, Digitalisierung oder Weiterentwicklung. Hier einige Fallbeispiele: 

Praxisfall 1: Der Schritt in die Selbstständigkeit

Der junge Zimmerermeister hat seine Entscheidung eigentlich schon getroffen: Eigene Zimmerei, eigener Betrieb. Auch Kundenkontakte hat er schon. Doch bei den betriebswirtschaftlichen Fragen wird es plötzlich kompliziert: Welche Investitionen sind wirklich nötig? Wie viel Umsatz muss der Betrieb bringen? Welche Förderprogramme gibt es?

Gemeinsam mit dem Betriebsberater entsteht Schritt für Schritt ein Businessplan. Investitionen, Kostenstruktur, Liquidität – alles wird durchgerechnet. Am Ende steht ein Plan, der nicht nur dem Gründer Sicherheit gibt, sondern auch bei Banken überzeugt. „Ein guter Businessplan ist kein Papier für die Bank – sondern ein Kompass für den Unternehmer“, sagt Betriebsberaterin Vera Nickels, die auch Existenzgründer berät. „Wir checken alle Schritte gemeinsam mit den Gründern durch.“

Praxisfall 2: Die neue Maschine: Chance oder Risiko?

In einem Metallbaubetrieb steht eine große Entscheidung an: Eine neue CNC-Maschine könnte die Produktion deutlich effizienter machen. Der Preis liegt im sechsstelligen Bereich. Die Frage ist also nicht nur: Will ich die Maschine?, sondern: Kann und sollte ich sie mir leisten?

Der Betriebsberater rechnet verschiedene Szenarien durch: Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Wie verändert sich die Liquidität? Ab welcher Auslastung rechnet sich die Investition? So wird aus einem Bauchgefühl eine fundierte Entscheidung. „Eine Investition muss zum Betrieb passen, nicht nur zur Technikbegeisterung“, sagt Beraterin Vera Nickels.

Praxisfall 3: Wenn die Zahlen plötzlich nicht mehr stimmen

Materialpreise steigen, Kalkulationen geraten aus dem Gleichgewicht, und am Ende bleibt weniger übrig als erwartet.

Viele Unternehmer kennen dieses Gefühl: Es läuft eigentlich. Aber finanziell fühlt es sich trotzdem eng an. „So mancher Betrieb arbeitet hart, verdient aber unter Wert. Das lässt sich häufig ändern“, so Matthias Schwalbach, Leiter der Betriebsberatung. In solchen Fällen schaut die Betriebsberater/-in gemeinsam mit dem Unternehmer genauer hin: Stimmen die Stundenverrechnungssätze? Wo entstehen Kosten, die bisher übersehen wurden? Welche Aufträge bringen wirklich Geld? „Oft zeigt sich: Schon kleine Anpassungen bei Kalkulation, Organisation oder Preisen können viel bewegen“, erklärt Schwalbach.

Praxisfall 4: Die Frage der Nachfolge

In vielen Handwerksbetrieben hängt das Foto des Firmengründers noch an der Wand. Das Unternehmen läuft, oft seit Jahrzehnten. Doch eines Tages steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter? Eine Betriebsübergabe ist komplexer, als viele denken, und mit vielen Fragen verbunden: Wie viel ist der Betrieb wert? Wie findet sich ein Nachfolger? Welche Übergabemodelle gibt es? Damit aus einer großen Unsicherheit ein planbarer Prozess wird: Die HWK-Betriebsberatung hilft dabei, frühzeitig Struktur in diese Fragen zu bringen.

Praxisfall 5: Grenzüberschreitende Aufträge

Eine Bauunternehmung in der Eifel erhält einen attraktiven Auftrag in Luxemburg. Doch ohne Erfahrungen und Kenntnisse zu Meldungen, Entsendung, Sozialversicherung und Behörden wird der Auslandeinsatz kompliziert. Die Frist drängt, der Kopf raucht. Ein Anruf bei der Kammer bringt die Wende. Außenwirtschaftsberaterin Michèle Schneider erklärt ihm die Anforderungen, hilft bei Registrierungen, erstellt Checklisten und bringt Ordnung in den Bürokratiedschungel. Am Ende kann der Betrieb den Auftrag sicher und entspannt ausführen.

 Praxisfall 6: Maschinenbewertung

Im Zuge einer anstehenden Betriebsübergabe wird vielen Unternehmen bewusst, wie entscheidend eine frühzeitige strategische Planung ist – gerade dann, wenn im Alltag schlicht die Zeit fehlt, sich intensiv damit zu beschäftigen. Bei einer bevorstehenden Betriebsübergabe ist es wichtig, frühzeitig Klarheit über den Wert der technischen Ausstattung zu gewinnen. Hier hilft der technische Berater der HWK, Andreas Jungen, weiter. Auch dann, wenn ein Nachfolger noch nicht feststeht. Er schaut sich die Maschine vor Ort an, prüft Zustand, Alter, Hersteller, Nutzungsspuren und ermittelt den Zeitwert. Am Ende erhält der Betrieb eine neutrale, fachlich fundierte Bewertung.  

 Infokasten: Typische Themen der Betriebsberatung

Die Beratung ist für Mitgliedsbetriebe kostenlos!

Finanzierung & Investitionen

  • Kapitalbedarf ermitteln
  • Förderprogramme und Kredite prüfen
  • Investitions- und Rentabilitätsplanung
  • Zeitwertermittlung von Maschinen

Kalkulation & Controlling

  • Stundenverrechnungssätze berechnen
  • Umsatz- und Kostenplanung
  • Vor- und Nachkalkulation
  • Liquiditätsplanung

Marketing

  • Marketing-Check des Betriebs
  • Neue Kundengruppen erschließen
  • Außendarstellung verbessern

Strategie & Entwicklung

  • Neue Geschäftsfelder prüfen
  • Organisation optimieren
  • Wachstum planen
  • Außenwirtschaft
  • Mediation

 

 Kontakt

Andreas Jungen

Technischer Betriebsberater

Tel. 0651 207-283

ajungen--at--hwk-trier.de



 

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