Videokonferenz-Zentrale in der HWK (v. r.): Kammerpräsident Rudi Müller, Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf, Arbeitgeber-Vize Bernd Elsen, Vollversammlungsmitglied Klaus Schmitt, Arbeitnehmer-Vize Edgar Gröber
HWK: Constanze Knaack-Schweigstill
Videokonferenz-Zentrale in der HWK (v. r.): Kammerpräsident Rudi Müller, Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf, Arbeitgeber-Vize Bernd Elsen, Vollversammlungsmitglied Klaus Schmitt, Arbeitnehmer-Vize Edgar Gröber

Es geht wieder voran! Die Nachfrage brummt!

HWK-Vollversammlung: Handwerk als Stabilitätsanker - Hauptproblem: Materialknappheit

„Es geht aufwärts! Die Wirtschaft fasst wieder Tritt!“ Mit dieser guten Nachricht versprühte Kammerpräsident Rudi Müller zum Auftakt der HWK-Vollversammlung gute Stimmung. Grund für diesen Optimismus: Bei der jüngsten Konjunkturumfrage im regionalen Handwerk waren nahezu vier von fünf Betrieben mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. „Über alle Handwerke hinweg überwiegt Zuversicht“, sagte er vor dem Handwerker-Parlament, das pandemiebedingt per Videokonferenz tagte. „Die Nachfrage brummt!"

Ein neues Problem habe zahlreiche Betriebe jedoch mit voller Wucht getroffen: die Materialknappheit. Lieferengpässe und explodierende Preise würden derzeit viele Gewerke belasten. Müller berichtete: Um die Probleme gemeinsam zu lösen, hat die HWK bereits einen „Runden Tisch zum Rohstoff Holz“ mit Vertretern aus Kommunen, dem regionalen Forst, der Sägewerke und dem Fachhandels ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften der Region hat die HWK nun einen Appell zur Entschärfung der Lage an die regionale Politik und die Landesregierung gerichtet. Darin fordert sie unter anderem verlängerte Angebotsfristen bei öffentlichen Aufträgen und die erleichterte Vereinbarung von Preisgleitklauseln. Die HWK-Vollversammlung bekräftigte diese Forderung in einer Resolution (s. Infokasten).

Durch Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorfs Rückblick auf das vergangene Halbjahr zog sich das Thema Corona wie ein roter Faden. Er berichtete vom Lockdown kurz vor Weihnachten und den geschlossenen HWK-Bildungszentren in Kenn und Trier. „Bis auf prüfungsrelevante Lehrgänge und Prüfungen, die ab dem 18. Januar wieder bei uns möglich waren, kamen wir erst wieder ab Mitte März in den Regelbetrieb“, sagte er. Die Lehrgänge für Auszubildende und der Fort- und Weiterbildung sind aber auch heute noch stark eingeschränkt. So findet der Unterricht in kleinen Gruppen statt.

Der HWK-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass verschobene Lehrgänge nachgeholt werden können – umständehalber sogar in den Ferien. „Bisher hat es keinen verlorenen Corona-Jahrgang bei den Auszubildenden im Handwerk gegeben“, sagte Bettendorf. Eine Reihe von Einzel- bis hin zu Großveranstaltungen hingegen hat die Kammer absagen müssen, etwa die ÖKO-Messe, den Handwerkermarkt und die Meisterfeier. Die offizielle Eröffnungsfeier ihres neuen Bildungszentrums hat die HWK nun auf den 13. Mai 2022 verschoben. 

Die Pandemie hat auch die Berufsorientierung und die Nachwuchssicherung getroffen. So wurden 2020 im regionalen Handwerk 5,5 Prozent weniger Lehrverträge neu abgeschlossen als im Vorjahr. In diesem Jahr sieht es etwas besser aus: Schon im Frühjahr hat der Ausbildungsmarkt sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert. Bettendorf betonte: „Es handelt sich um eine Momentaufnahme. Wir hoffen, dass dieser positive Trend im gesamten Ausbildungsjahr anhält.“ Ende Juni 2021 waren bei der Kammer noch rund 600 freie Lehrstellen im Handwerk der Region Trier gemeldet.

Die Pandemie belaste natürlich auch die Mitgliedsbetriebe, sagt der HWK-Chef: „Ich glaube, die Krise ist an keinem spurlos vorübergegangen. Insbesondere Betriebe, die schließen mussten, wie die Friseure und Kosmetiker, aber auch die Betriebe mit Ladengeschäften – Fotografen, Goldschiede oder die Messebauer – waren schwer betroffen.“ In Summe habe sich der Wirtschaftszweig bewährt: „Das Handwerk war in weiten Teilen kein Verlierer der Krise“, versicherte Bettendorf. „Vielmehr hat es sich zum Stabilitätsanker der Wirtschaft entwickelt.“

FORDERUNGEN

Angebotsfristen verlängern

Bei öffentlichen Aufträgen müssen in den betroffenen Gewerken die Angebotsfristen verlängert werden, da viele Lieferanten zurzeit keine Lieferzusagen machen oder nur Tagespreise abgeben. Bei Projekten, die bereits in der Durchführung sind, bittet die Handwerkskammer die öffentlichen Auftraggeber um die Verlängerung von Auftragserfüllungsfristen und den Verzicht auf Sanktionen.

Vereinbarung von Preisgleitklauseln erleichtern

Hinsichtlich des Entgelts bittet die HWK-Vollversammlung die Politik um Unterstützung, um bei öffentlichen Aufträgen die Vereinbarung von Preisgleitklauseln zu erleichtern. Viele Handwerksbetriebe sind nicht in der Lage, die explodierenden Einkaufspreise allein zu schultern. Geringe Preissteigerungen sind von den Betrieben selbstverständlich im Rahmen des unternehmerischen Risikos zu tragen. Aktuell ist die Teuerung bei den Materialien jedoch so massiv, dass in vielen Fällen die ursprünglich kalkulierten Preise weit unter den tatsächlichen Kosten liegen.

Runde Tische einberufen

Die HWK regt an, Runde Tische einzuberufen – landesweit und regional. In der Region Trier hat die Handwerkskammer einen Runden Tisch zum Rohstoff Holz ins Leben gerufen. Ziel ist es, mit Vertretern der Kommunen, des regionalen Forstes, der Sägewerke, aber auch des Fachhandels Möglichkeiten zu erörtern, um gemeinsam eine bessere Materialversorgung zu erreichen.

Müller, Rudi

Rudolf Müller

Präsident

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