Deutsche Meisterschaft im HandwerkErfolgreiche Hände, kluge Köpfe, starke Region
Bei der Abschlussfeier zur Deutschen Meisterschaft im Handwerk standen die Siegerinnen und Sieger aus dem Kammerbezirk Trier im Mittelpunkt – und mit ihnen eine Region, die seit Jahren immer wieder ganz vorne landet. Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Handwerk würdigten im Campus Handwerk der HWK die überragenden Erfolge der jungen Nachwuchstalente aus der Region bei der Deutschen Meisterschaft 2025: Insgesamt erreichten die Gesellinnen und Gesellen aus der Region auf Kammer- und Landesebene 21 Platzierungen sowie zwei auf Bundesebene. Damit ist das Handwerk im Kammerbezirk Trier bestens aufgestellt – mit talentiertem Nachwuchs, starken Betrieben und einer Region, die Anpacken einfach im Blut hat.
In einer Talkrunde mit den beiden Bundessiegern aus der Eifel, Land- und Baumaschinenmechatroniker Michael Schares und Metallbauer Nico Krischler, kam man der Frage ein Stück näher, warum im Wettbewerb immer wieder junge Menschen mit Höchstplatzierungen vom Land kommen. Die beiden Bundessieger 2025 sind dafür das beste Beispiel: Sie sind heimatverwurzelt, echte Dorfmenschen, aufgewachsen in einer Umgebung, in der Handwerk selbstverständlich zum Alltag gehört. Früh mitwerkeln, mit anpacken, Probleme angehen und Lösungen finden – das prägt. In Kombination mit Können und Leidenschaft macht genau diese Mischung aus Bodenständigkeit und Ehrgeiz im Wettbewerb den Unterschied. Die beiden haben viel gemeinsam: Sie sind beide 23 Jahre alt, in technischen Handwerksberufen, motorsportaffin und suchen die Herausforderung. Und: Sie kennen sich seit der Kindheit, weil ihre Eltern befreundet sind. Umso schöner war der Talk als Wiedersehen nach vielen Jahren, in denen man sich aus den Augen verloren hatte.
Michael Schares lernte seinen späteren Ausbildungsbetrieb Ludwig und Hauer Landmaschinen schon als Kind kennen – immer dann, wenn defekte Maschinen auf dem heimischen Hof einen Fachmann erforderten. Nico Krischler kam hingegen über Umwege ins Handwerk und wollte ursprünglich Ingenieur werden. Im Talk stellte er auch sein außergewöhnliches Gesellenstück vor, mit dem er es im Kreativwettbewerb „Die gute Form – Handwerker gestalten“ bis weit nach oben geschafft hatte.
Vizepräsident Ralf Jakob betonte in seinen Glückwünschen und dem Dank der Kammer, was die Handwerksfamilie prägt und auch bei der Abschlussfeier spürbar war: Zusammenhalt. Sein Lob galt den Ausbildern und Prüfern, den Familien und Freunden und den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern selbst. Sein Appell: Erfahrung sammeln, den Meister machen, denn der Meisterbrief öffnet Türen – regional wie weltweit. Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf schloss sich an. Auch er machte Mut zur Weiterbildung und verwies auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Handwerkskammer – von der Meisterprüfung über Förderprogramme bis hin zur Existenzgründung.
Zwischen Applaus, den Klängen der FWG-Jazzband, vielen stolzen Gesichtern und vor allem bei der Urkundenübergabe wurde deutlich: Erfolg hat im Handwerk oft ländliche Wurzeln. Aber auch die Stadt kann Handwerk: Unter den ausgezeichneten Siegerinnen und Siegern hat ein Drittel der erfolgreichen Ausbildungsbetriebe seinen Standort in Trier.
Die Deutsche Meisterschaft im Handwerk ist ein traditionsreicher Wettbewerb und gilt als die Berufs-Olympiade des Handwerks. Teilnehmen dürfen die besten Absolventinnen und Absolventen der Gesellenprüfungen. Über Kammer- und Landeswettbewerbe geht es bis ins Bundesfinale, wo die Besten ihres Fachs um den Titel „Deutscher Meister im Handwerk“ kämpfen. Je nach Beruf wurden Gesellenstücke, praktische Arbeitsproben oder die Ergebnisse der Gesellenprüfung bewertet.
Sieger/-innen aus dem Kammerbezirk Trier und Ausbildungsbetriebe:
Bundessieger
3. Bundessieger
Michael Schares, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Burg (Ludwig & Hauer Landmaschinen GmbH, Wißmannsdorf)
Kreativwettbewerb „Die Gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“:
2. Preisträger Metallbauer, Fachrichtung: Konstruktionstechnik
Nico Krischler, Langsur (Die Kanter und Schlosser Metall-Gesellschaft mbH, Trier)
Landessieger/-innen
Platz 1:
Marcel Hüllen, Kraftfahrzeugmechatroniker, Üttfeld (Auto-Hack GmbH, Waxweiler); Michael Schares, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Burg (Ludwig & Hauer Landmaschinen GmbH, Wißmannsdorf); Linda Korioth, Maßschneiderin, SP: Damen, Ruhlsdorf (Margret Gasper, Waxweiler); Nele Lenz, Schilder- und Lichtreklameherstellerin, Lutzerath (ELDISENO Werbeagentur GmbH, Uersfeld); Julian Arend, Straßenbauer, Reinsfeld (Max Düpre GmbH, Hermeskeil)
Platz 2:
Jasper Clemens Westermeier, Augenoptiker, Trier (Fielmann Augenoptik AG & Co. OHG, Trier); Lena Heinen, Dachdeckerin, Oberbettingen (MH Dachbau GmbH, Hillesheim); Felix Bungartz, Fotograf, Dahlem-Berk (Dieter Pfingstmann & Joachim Mayer GbR, Prüm); Ilayda Cenikli, Friseurin, Wittlich (Burak Sözen, Wittlich); Johanna Martin, Glaserin, FR: Verglasung und Glasbau, Trier (Franz Binsfeld GmbH & Co. KG, Trier); Max Leuk, Kaufmann für Büromanagement, Kastel-Staadt (DIETZ – der frische Bäcker GmbH & Co. KG, Trier); Janos Cip, Maurer, Blankenheim (M & S Bau GmbH & Co. KG, Irrel); Anna Metzdorf, Raumausstatterin, Trierweiler (Ingo Peifer, Raumausstattung, Konz); Louis Johann Kirchen, Tischler, Klüsserath (Hans-Dieter Kirchen, Hetzerath); Claire Caudron, Zimmerin, Mörschied (Oster Dach + Holzbau GmbH, Bernkastel-Andel)
Platz 3:
Marcel Chimczak, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Gerolstein (Arnold Wagner, Kruchten); Len Halsdorf, Fahrzeuglackierer, Bettingen (Werner Stieren GmbH, Bitburg); Bastian Klassen, Metallbauer, FR: Konstruktionstechnik, Naurath/Wald (SWT-Anstalt öffentlichen Rechts der Stadt Trier); Maximilian Staudt, Anlagenmechaniker, Trier (Paul Wirtz GmbH, Trier); Nick Zimmer, Elektroniker, FR: Energie- und Gebäudetechnik, Thomm (Elektro Esser GmbH, Trier)
Platz 4:
Max Dostert, Maler und Lackierer, Trier (Malerteam Schuler, Wallerius + Ziewers GbR, Trier)
Die Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.
Detektivarbeit zwischen Ölspur und Feingefühl
Deutschlands drittbester Land- und Baumaschinenmechatroniker, der Eifeler Michael schares, ist auch privat maschinenbegeistert
Freitagmorgen in Landshut, am letzten Tag im Oktober. Halloween steht vor der Tür. Auch im Bildungszentrum der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz steht der Spaß im Vordergrund – allerdings nicht durch reines Vergnügen. Hier geht es nicht ums Feiern. Noch nicht. Erst müssen die landesbesten Land- und Baumaschinenmechatroniker im Rahmen der Deutschen Meisterschaft noch um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Einer der Bundesfinalisten ist Michael Schares aus Burg in der Eifel.
Spannend wie ein Krimi
An zwölf Stationen müssen die elf frischgebackenen Gesellen an Motorsäge, Bagger, Erntemaschine, Schlepper und Co. ihr Können beweisen. Die Aufgaben verlangen mehr als Routine: Messungen durchführen, Hydraulikfunktionen überprüfen, auf Fehlersuche gehen, Motoren einstellen, Probleme beheben. Michael geht wie ein Meisterdetektiv vor, um den Fehler aufzudecken und die Maschinen wieder zum Laufen zu bringen. Schraube für Schraube, Messwert für Messwert erschließt sich ihm, was unter Blech und Haube vorgeht und wo der Fehler liegt. An einigen Stationen reicht es nicht, den Schaden zu identifizieren – defekte Bauteile müssen ersetzt werden, bis die Maschine wieder läuft.
Für jede Aufgabe haben die Gesellen 30 Minuten Zeit – sechs am Vormittag, sechs am Nachmittag. Ein ganzer Tag im Hochleistungsmodus. Kaum Luft zum Durchatmen, wenig Zeit zum Grübeln. Konzentration und schnelle Entscheidungen sind gefragt. »Das Wettkampfniveau war hoch und die Konkurrenz stark«, blickt der 23-Jährige zurück. »Ich war etwas angespannt, aber bei der Gesellenprüfung war ich aufgeregter.« Der Vormittag läuft für Michael wie geschmiert. Direkt nach der Mittagspause verliert er Zeit bei einer äußerst kniffligen Aufgabe. Doch er findet zurück in den Takt und liefert weiter ab. Am Ende holt er mit der Bronzemedaille den Titel »Deutschlands drittbester Land- und Baumaschinenmechatroniker« – wenn das kein Grund zum Feiern ist!
Aufgewachsen zwischen Werkbank und Weide
Sein Weg ins Handwerk begann früh – auf dem Hof der Eltern, die im Nebenerwerb Landwirtschaft betreiben. Geräte, Traktoren, Technik: All das gehörte für Michael und seinen drei Jahre älteren Bruder von klein auf dazu. Zusammen mit dem Vater, einem Metallbauer, wurde gewerkelt, ausprobiert, gebaut. »Wir hatten immer irgendwelche Projekte am Laufen, etwa Geräte für den Rasentraktor gebaut, Egge und Pflug beispielsweise«, sagt Michael. Auch bei Reparaturen waren die Brüder mit am Start. In vertrackten Fällen wurde die Ludwig und Hauer Landmaschinen GmbH aus Wißmannsdorf zu Hilfe gerufen. So lernte Michael seinen späteren Ausbildungsbetrieb kennen. »Schon in der zehnten Klasse zog es mich auch beruflich in Richtung Mechanik«, sagt er. Nach der 12. Klasse ging er vom Gymnasium ab. In der Coronazeit machte er dann Nägel mit Köpfen: 2020 ins Praktikum, 2021 in die Ausbildung.
Abwechslung statt Leerlauf
Routine? Nicht sein Ding. »Kein Tag gleicht dem anderen, jede Maschine bringt ihre eigene Geschichte mit«, sagt der Bronzemedaillengewinner. Besonders reizvoll findet er Lösungen, die nicht von der Stange kommen. Sind bei einer Reparatur Metallarbeiten erforderlich, ist Michael gefragt. Neben Getriebe- und Motorreparaturen gehört der Bau von Metallkonstruktionen zu seinen Lieblingsarbeiten. »Es ist ein gutes Gefühl, eine Maschine wieder zum Laufen zu bringen«, sagt Michael. Geduld, technisches Verständnis und die Bereitschaft, dranzubleiben – das sind für ihn die entscheidenden Werkzeuge. Kraft gehört dazu, aber ebenso Denken, Fühlen, Feinarbeit.
Auch in der Freizeit halten ihn die Maschinen auf Touren. Vier Motorräder, eigene Werkstatt, Schrauben – klar. Im Sommer fährt er mit seiner Clique gerne in den Süden, nach Südfrankreich, Kroatien oder wohin sonst sie der Fahrtwind treibt. Ansonsten: Motocross in Klüsserath, Stuntriding in Bitburg. Bei dieser Disziplin werden Motorräder kontrolliert auf nur einem Rad bewegt. Michael ist darin ein Champion: Mit 561 Kreisen hat er beim sogenannten Zirkelwheeling einen inoffiziellen Weltrekord aufgestellt.
Auf dem elterlichen Hof hilft er weiterhin mit, fährt Traktor, versorgt das Vieh. Er ist gern draußen, naturverbunden, tief in der Eifel verwurzelt. Ein reiner Bürojob wäre nicht sein Ding. Sein Weg ist klar: Erstmal Erfahrung als Geselle sammeln und später den Meister machen. Wie es aussieht, bleibt der drittplatzierte Bundessieger der Region erhalten: »Ich hänge an der Eifel und will hier gar nicht mehr weg. Hier fühle ich mich am wohlsten.«
Nürburgring im Couchtisch
Silbermedaille für Eifeler Metallbauer Nico Krischler im Bundeswettbewerb »Die Gute Form«
Eigentlich wollte Nico Krischler Ingenieur werden. Technik war schon immer sein Ding. Doch als ihm das Studium an der Hochschule zu kopflastig und zu praxisfern wurde, zog er die Reißleine – und fand über Umwege genau dort sein Glück, wo es nach Öl riecht, Funken sprühen und am Ende etwas Greifbares entsteht: im Handwerk, als Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik. Dass das kein Zufall war, zeigt ein Blick zurück.
Nico ist ein echter »Eifler Jung«, aufgewachsen in Menningen an der Prüm, nahe Luxemburg. Sein Vater und sein Onkel sind gelernte Schlosser. Schon auf dem Hof der Großeltern gab es genug zum Anpacken: Traktoren reparieren, Holz machen, Maschinen warten. Nico war immer dabei. Im Grundschulalter besaß er bereits einen eigenem Akkuschrauber – was will man mehr als Startkapital? Am Balthasar-Neumann-Technikum Trier stand unter anderem Metallbearbeitung auf dem Stundenplan. Hier war er genau richtig. Mit dem Technischen Abitur in der Tasche ging’s dann mit dem Zwischenstopp an der Hochschule ins Metallbauhandwerk.
Wer aus der Eifel kommt, weiß: Der Nürburgring ist kein Ausflugsziel, er ist ein Mythos! Seit Nico 16 ist, zieht es ihn mehrmals jährlich zu Motorsportevents auf der Nordschleife. Das 24-Stunden-Rennen ist für ihn Pflichttermin. So lag es auf der Hand, dass er anfangs überlegt hatte, ins Kfz-Handwerk zu gehen. Ein Praktikum später war klar: Schrauben bleibt Hobby. Sonst würde er nicht nur tagsüber in der Werkstatt schrauben, sondern auch noch abends zu Hause. So haben seine »beiden Schätze«, wie er sie nennt, Nico nun für sich allein: ein Mazda 3 MPS, Baujahr 2009, »mit Nonplusultra-Sportausstattung«, und eine Suzuki SFV 650.
Nürburgring im Gesellenstück verewigt
Nico verkürzte seine Ausbildung im Trierer Betrieb Die Kanter & Schlosser, stieg direkt ins zweite Lehrjahr ein, zog die Abschlussprüfung vor – und bestand sie mit der Note »sehr gut«. So ist auch sein Gesellenstück kein herkömmliches Werkbankprojekt, sondern ein echtes Statement: Ein Couchtisch, den er dem Motorsport gewidmet hat. Die Beine aus Flachstahl bilden die Silhouette der Nürburgring-Nordschleife. Im Inneren verbirgt sich eine Miniaturlandschaft mit Streckenkontur, Kiesbett und Autos – sichtbar nur, wenn das integrierte Licht angeht. Selbstverständlich selbst gebaut, selbst programmiert, smartphonegesteuert. Das außen angedeutete Thema Motorsport hat er im Innenkorpus dezent untergebracht. »Man sieht es erst auf den zweiten Blick«, sagt er. »Und genau das wollte ich.«
Sein raffiniertes Gesellenstück mit der versteckten Botschaft ging bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk ins Rennen. Im Kreativwettbewerb »Die Gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten« katapultierte es den Metallbauer auf Platz zwei im Bundeswettbewerb. Ein starkes Zeichen dafür, wie weit man es im Handwerk bringen kann, wenn Können, Kreativität und Leidenschaft zusammenkommen. Heute steht der Tisch bei ihm zuhause in Langsur. Ein Blickfang: »Jeder, der reinkommt, sieht ihn sofort«, sagt er – nicht ohne Stolz.
Liebe zum Handwerk, Dorf und Karneval
Der Silbermedaillengewinner erklärt, aus welchen Holz man für den Beruf geschnitzt sein muss: »Gutes räumliches Vorstellungsvermögen, ein bisschen Kraft in den Armen – und man muss mit Dreck klarkommen.« Klingt bodenständig. Doch dann ergänzt der 23-Jährige den eigentlichen Zauber des Berufs: »Dass man aus dem Nichts etwas kreieren kann, begeistert mich immer wieder.« Genau das treibt ihn an. Und sein Hang zum Perfektionismus: »Ich versuche nach Möglichkeit immer, mein Bestes zu geben.«
Doch Nico kann mehr als Metall und Motoren. Er ist Karnevalist, Wagenbauer, Dorfmensch. In Menningen engagiert er sich bei Ortsfesten. Als die Kappensitzung eingestellt wurde, gründete er mit ein paar Freunden kurzerhand ein Männerballett. Die beinschwingenden Eifler trainieren nun schon für die dritte Auflage. Koordination, Taktgefühl, Teamgeist – Eigenschaften, die auch im Handwerk Gold wert sind. Muskelkraft allein reicht eben nicht.
Stillstand kennt Nico nicht. Aktuell absolviert er die Technikerausbildung, arbeitet parallel in Teilzeit im Betrieb Die Kanter & Schlosser in Trier. Vielleicht folgt noch der Betriebswirt, vielleicht eines Tages eine Führungsposition. Sicher ist: Er will hoch hinaus. Und seiner Heimat treu bleiben – einer Region, aus dem immer wieder starke Handwerker hervorgehen. Nico ist dafür ein glänzendes Beispiel.