Constanze Knaack-Schweigstill HWK Trier

Lehrling des MonatsEndlich gefunden, was sich richtig anfühlt

Judith Wagner ist über Umwege im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk angekommen. Jetzt hat die HWK Trier sie zum Lehrling des Monats ausgezeichnet.

Judith Wagner führt das flexible Lüftungsrohr durch die Deckenöffnung. Ein Griff, ein Zug, ein sauberer Bogen. Dann sitzt die Leitung genau dort, wo später kühle Luft ihren Weg findet. Die 22-Jährige ist zufrieden. Eine typische Szene aus dem Alltag der angehenden Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) im dritten Lehrjahr. Sie arbeitet nicht nur an Lüftungsanlagen, sondern auch an Klima- und Kältesystemen sowie an Anlagen für Trink- und Abwasser: Wege planen, Leitungen legen, Anlagen zum Laufen bringen. Zwischen Kanälen, Rohren und Systemen, die moderne Gebäude erst funktionsfähig machen, ist sie in ihrem Element. „Es ist schön, in einem Beruf zu arbeiten, der gefragt ist und in dem man gebraucht wird“, freut sich die junge Frau aus Esch bei Wittlich.

Ihr Weg ins Handwerk zeichnete sich früh ab. Schon als Kind packte sie daheim gerne mit an. Haus und Hof – da gab es immer viel zu tun, und alle halfen mit: „Zäune reparieren, Carport bauen, das Vieh füttern. Wir vier Schwestern und mein Bruder waren immer mit dabei“, erzählt sie. Auch im Werkraum der Integrierten Gesamtschule (IGS) Salmtal zeigte sich, wo Judiths Leidenschaft liegt: Bohren, Löten, Schrauben & Co. „Wir hatten sehr engagierte Lehrer. Das hat viel ausgemacht“, sagt die Auszubildende.

Weil Judith nicht für die graue Theorie gemacht ist, ging sie in der Oberstufe ab und begann eine Ausbildung im Schreinerhandwerk. Doch die Chemie hat nicht gepasst. Dann kam eine Tätigkeit im Einzelhandel – auch das war nicht das Richtige. Danach versuchte sie es als Technische Systemplanerin, brach aber auch hier nach einem halben Jahr ab: „Dauernd nur Büro – das ist war nicht meins.“ Für sie kein Scheitern, sondern ein Prozess: „Durch Ausprobieren wird man nicht dümmer.“ 

Dann kam SHK. Freunde – darunter auch ihr Partner – erzählten von ihrer Arbeit im Handwerk, von Baustellen, von Erfüllung. Das klang ganz nach ihr. „Das wollte ich dann auch“, erinnert sie sich und bewarb sich bei der Junkes Klimatechnik GmbH in Trier. Der Betrieb ist auf industrielle Lüftungstechnik, Klimatechnik, Rohrleitungsbau, Wärmetechnik, Reinraumtechnik und Kältetechnik spezialisiert. Dort lernt sie seit Februar 2024 den Beruf SHK-Anlagenmechanikerin in verkürzter Ausbildungszeit. „Unsere erste Azubine im Anlagenbau seit 26 Jahren, und wir sind sehr froh darüber“, betont Betty Gilles von der Firma Junkes.

Als Frau in einem typischen Männerberuf zu arbeiten, ist für sie kein großes Ding – für Außenstehende schon eher. „Ich werde oft gefragt, wie ich auf den Beruf gekommen bin. Und ob der nicht zu schwer für eine Frau ist, zumal einige Materialien ihr Gewicht haben“, sagt sie. „Es kann zwar schon mal vorkommen, dass ich körperlich an meine Grenzen komme. Aber dann hilft mir unser Team. Die Kollegen nehmen Rücksicht, fragen nach und sind bei Bedarf zur Stelle.“ Meistens geht es ohne Unterstützung. „Die läuft wie die Jungs mit“ hört sie oft und gerne. Sich von klassischen Männerdomänen nicht einschüchtern zu lassen, ist ihr wichtig: „es freut mich, dass ich mithalten und das auch zeigen kann.“ Wie es nach der Lehre weitergeht? Judith schmiedet schon Pläne: „Erstmal möchte ich den Elektro- oder Kälteschein machen, eventuell auch beide. Über kurz oder lang kann ich mir eine Qualifikation zur Obermonteurin oder Ausbilderin vorstellen. Der Meisterbrief wäre auch eine Option. Jedenfalls will ich nicht stillstehen, sondern neue Aufgaben übernehmen und mich laufend weiterbilden.“

Auch privat fasst die Handwerkerin oft und gerne mit an. Die Schwester feiert Abi, der Bruder Hochzeit? Judith backt ihnen Torten. Omas Heizung schwächelt? Judith kümmert sich darum. Ihre Schwägerin braucht auf dem Reiterhof beim Sommerfest helfende Hände? Auf Judith kann sie zählen. Und als die Schwester ein Haus kauft, bringt Judith ihr Fachwissen mit ein. Das alles ist für sie selbstverständlich: „Meine Familie hat viel für mich getan. Ich gebe gerne etwas zurück und bin froh, wenn ich helfen kann.“ Die Auszubildende scheut keine Herausforderung, die Kopf und Hand gleichzeitig fordert. Vielleicht liegt das in der Familie: Ihr Partner und ihr Bruder sind Elektroniker, ihre Schwester Architektin, der Vater Schlosser. In dieser Runde wird schon mal gescherzt: „Eigentlich könnten wir mit dieser Fachkräfte-Kombi längst unsere eigene Firma aufmachen.“

Die Handwerkskammer Trier zeichnet Judith Wagner jetzt zum Lehrling des Monats aus. Die Auszubildende verkörpert genau das, was modernes Handwerk ausmacht: Engagement, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit – und den Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn der nicht von Anfang an feststeht. „Judith beweist, dass Talent, Neugier und Durchhaltevermögen mehr zählen als überholte Rollenbilder“, sagte Kammerpräsident Bernd Elsen bei der Urkundenübergabe in der HWK Trier. „Darüber hinaus zeigt sie, dass es manchmal mehrere Anläufe braucht, um das Richtige zu finden. Dass es wichtig ist, auf das eigene Gefühl zu hören. Und dass der richtige Platz manchmal genau dort liegt, wo man ihn früher nicht gesucht hätte.“ 

Das Video zur Auszeichnung von Judith Wagner zum "Lehrling des Monats" finden Sie hier.  

Die Bilder zur Ehrung von Judith Wagner finden Sie hier.

Weitere Lehrlinge des Monats finden Sie hier.



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Adam Krapp

Empfangsmitarbeiter

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