Teaser Endlich Meister
HWK Trier

Das Handwerk heißt 157 neue Meister willkommen!

Dieser Jahrgang meisterte besonders große Herausforderungen - gefeierte Fachkräfte, auch ohne Abschlussfest!

Der Meistertitel ist nach wie vor das wichtigste Qualitätssiegel im deutschen Handwerk. Auch in diesem Jahr feiert die Handwerkskammer ihre neuen Meisterinnen und Meister – 157 an der Zahl. Weil dieser Jahrgang mit noch nie dagewesenen Herausforderungen zu kämpfen hatte, gebührt ihm besondere Anerkennung. Zum einen war der Meisterkurs vom Umzug in das neue HWK-Bildungszentrum betroffen. Diese Umstellung ist letztendlich positiv, denn im neuen Zentrum mit seiner hochmodernen Ausstattung und mehr Platz lernt es sich besser und angenehmer als je zuvor. Zum anderen beeinträchtigte die Corona- Pandemie den gewohnten Lehrbetrieb. Wie viele Lernende mussten sich die angehenden Meister an die teilweise Umstellung auf digitalen Unterricht erst noch gewöhnen. Doch die Stärke des Handwerks liegt auch insbesondere darin, trotz widriger Umstände stets das Beste herauszuholen. Und so hat letztendlich auch dieser Jahrgang sein Ziel erreicht. Die neuen Meisterinnen und Meister können daher besonders stolz auf ihren Titel sein. Ihnen gebührt besondere Anerkennung!

Bedauerlicherweise können wir die Absolventinnen und Absolventen diesmal nicht gemeinsam feierlich in den Meisterstand erheben. Corona macht uns leider einen Strich durch die Rechnung! Dennoch möchten wir den Jahrgang hochleben lassen. Damit die ganze Region sich mit uns über die neuen Meisterinnen und Meister freut, möchten wir die frischgebackenen Fachkräfte mit einem besonderen Magazin in der lokalen Tagespresse ehren. In der Sonderbeilage des Trierischen Volksfreunds, die am 8. Juli in der Stadt Trier und allen vier Landkreisen der Region erscheint, sind ihre Namen zu lesen. Darüber hinaus stellen wir darin die soganannten „Bestmeister“ vor. Das sind Prüflinge, die sich in ihrem Handwerk durch besondere Leistungen hervorgetan haben. 

Das Meister-Magazin versendet die HWK auch an den gesamten Meisterjahrgang. In den vergangenen Tagen hat sie 157 Päckchen gepackt. So durften sich alle neuen Meisterinnen und Meisterinnen bereits über Post aus der Handwerkskammer freuen – ganz besonders natürlich über ihren Meisterbrief in Form einer Schmuck-Urkunde. 

Bei der Verteilung der einzelnen Berufe nach Gruppenstärke steht auch diesmal die rein männlich geprägte Gruppe der Kraftfahrzeugmechatroniker mit 38 ganz oben, gefolgt von den Berufen Friseur (17), Elektrotechniker (17), Schreiner (13), Zahntechniker (13), Maler und Lackierer (12), Metallbauer (10), Feinwerkmechaniker (8), Maurer und Betonbauer (4), Zimmerer (3) und Dachdecker (1). Zudem wurde diesmal ein sehr seltener Meistertitel vergeben: Johannes Julis Maas ist frischgebackener Glockengießermeister – und nicht der einzige Absolvent, der bereits selbstständig ist. Alle anderen haben darauf gute Chancen: Ungefähr 2.000 Betriebe stehen in den nächsten zehn Jahren in der Region zur Übernahme bereit. Dafür sind die neuen Meister bestens gerüstet.



Das Meisterstück von Julius Maas soll in der St. Lambertuskapelle in Morschenich­-Neu (Nordrhein-­Westfalen) zum Einsatz kommen. Man darf sich schon auf den ersten Glocken­schlag ¿Made in Brockscheid¿ freuen!
Karl Maas
Das Meisterstück von Julius Maas soll in der St. Lambertuskapelle in Morschenich­-Neu (Nordrhein-­Westfalen) zum Einsatz kommen. Man darf sich schon auf den ersten Glocken­schlag ¿Made in Brockscheid¿ freuen!

Julius Maas ist Deutschlands jüngster Glockengießermeister



Einziger Prüfling meistert Herausforderungen unter erschwerten Bedingungen

Seine Kindheit wäre ein guter Stoff für das erste Kapitel eines Abenteuerromans. Julius Maas wächst in der Vulkaneifel auf, in einer Glockengießerei. Der Vater ist Fotograf, die Mutter die einzige Glockengießermeisterin Deutschlands. In Brockscheid, wo sich vor mehr als 10.000 Jahren glühende Lava über das Land ergoss, hatte die Familie Mark 1840 die Eifeler Glockengießerei erworben. Mit der Übernahme im Jahr 2009 läutet die dreifache Mutter Cornelia Mark-Maas die sechste Generation des Betriebs ein.

„Da werden Urgewalten erzeugt!"

Als Kind war die Gießerei Julius‘ Wohlfühlort: „Ein großer Spielplatz mit viel Action.“ Er liebt das Spektakel aus Feuer, Glut und Hitze, Staub und Dreck in der Werkstatt. Den Moment, wenn die Mitarbeiter eine große Glockenform aus Lehm im Boden der Halle versenken. Wenn die 1100 Grad heiße Bronze durch Bahnen rinnt und die Glocke gegossen wird. Und wenn die Glocke nach tagelanger Abkühlung endlich aus ihrer Form befreit wird. Er schwärmt sogar vom ohrenbetäubenden Lärm beim Brennen der Glockenform: „Da werden Urgewalten erzeugt! Das Bollern des Schmelzofens hört man im ganzen Dorf. Das geht unter die Haut und lässt niemanden kalt!“, ist er sich sicher. Der heute 30-Jährige berichtet davon so lebhaft, dass man das Tosen des Ofens schon selbst zu hören meint.

Familientradition

Die Leidenschaft hat er von Kindesbeinen an. „Als Zwölfjähriger habe ich meine erste Glocke gegossen.“ Da war ihm längst klar, dass er Glockengießer werden wollte: „Wie meine Mutter, mein Opa und weitere Vorfahren.“ Bis ins Jahr 1620 zurück lässt sich der Beruf in der Familie Mark nachweisen. Julius Maas erlernt den Beruf bei seiner Mutter und unterstützt sie als Geselle im Betrieb. Zum Handwerk gehört viel mehr als das Gießen: etwa die Herstellung von Glockenstühlen oder die Installation und Wartung von Glockenanlagen. Daher kommen Glockengießer viel herum. So mancher hat die beiden schon auf dem Trierer Handwerkermarkt erlebt. Wenn Julius Maas mit Blaumann und Hut am Stand der Eifeler Glockengießerei die kochende Glut in die bereitgestellten Formen gießt, lässt sich kein Zuschauer dieses Schauspiel entgehen. Mittlerweile gibt es nur noch knapp eine Handvoll Glockengießereien, da die Nachfrage nach neuen Geläuten seit Jahren zurückgeht. Neue Gotteshäuser werden kaum noch gebaut. „Und so eine Glocke hält ja auch ewig“, erklärt er. „Die älteste in Deutschland ist gut 1000 Jahre alt.“

Der einzige Prüfling

Mit der sinkenden Auftragslage nimmt auch die Zahl neuer Glockengießergesellen und -meister ab. Als Maas sich für die Meisterausbildung entscheidet, ist er der einzige Prüfling in diesem Handwerk. Die Handwerkskammer Trier setzt alle Hebel in Bewegung und ruft Experten aus der ganzen Republik zusammen, um einen Prüfungsausschuss zu bilden. Die letzte Glockengießer-Meisterprüfung hatte sie im Jahr 2001 abgenommen, als auch Cornelia Mark-Maas ihren Meisterbrief erhielt. Die Umstände sind nicht nur für den Prüfungsausschuss und das Meisterreferat eine Herausforderung, sondern auch für den angehenden Meister: Für einen einzigen Prüfling kann die HWK keine Kurse in Fachpraxis und Fachtheorie auf die Beine stellen. Also bereitet der Glockengießer sich in Eigenregie vor. Die praktische Prüfung in der Glockenstraße 51 in Brockscheid – die Herstellung einer mehr als 400 Kilo schweren Glocke – geht unter Anwesenheit des Prüfungsausschusses reibungslos über die Bühne und ist auch von der Bewertung her hervorragend. Aber das will der junge Meister gar nicht an die gro … – na, Sie wissen schon!

Exotische Existenzgründung

2020 musste die Familie den Betrieb aufgeben. Doch das letzte Kapitel ist damit nicht aufgeschlagen: Glücklicherweise geht das Glockengießen unter dem neuen Besitzer weiter – wenn auch eingeschränkt. Meister Maas unterstützt ihn dabei. Der frischgebackene Meister hat sich unterdessen in Schalkenmehren eine neue Existenz aufgebaut: die Eifeler Glockenservice J. Maas GmbH. Denn Experten im Instandhalten, Warten, Austauschen, Erneuern von Glocken und Glockenstühlen sind nach wie vor gefragt. So tragen Meister wie Julius Maas mit ihrem schönen, traditionsreichen Handwerk weiter dazu bei, Himmel und Erde durch Glockengeläut zu verbinden. Hoffentlich noch viele Jahrhunderte!

Meisterprüfung Julius Maas - Glockengießer
Karl Maas
Meisterprüfung Julius Maas - Glockengießer

Einen Smoker wollte er eigentlich immer schon haben. Da hat er sich einfach einen selbst gebaut. Martin Altmeier mit seinem Meisterstück.
Sandra Blass­-Naisar
Einen Smoker wollte er eigentlich immer schon haben. Da hat er sich einfach einen selbst gebaut. Martin Altmeier mit seinem Meisterstück.

„Ich würde das alles sofort nochmals machen und ich bin schon ein bisschen wehmütig, dass es vorbei ist“



Warum Martin den Meistertitel wollte

Sein Großvater war Maschinenbauermeister, sein Vater Schlossermeister und irgendwie sind alle in seiner Familie im Handwerk tätig. Und glücklich. „Da war es für mich klar, dass ich auch ins Handwerk gehen werde und so habe ich 2005 bei Hase Kaminofenbau in Trier angefangen.“ Wer den 32 Jahre alten Martin Altmeier aus Schweich kennenlernt, der merkt schnell, dass da einer fürs Handwerk brennt und ziemlich klare Vorstellungen von seiner Zukunft hatte und hat. Drei Jahre Ausbildung bei Hase Kaminofenbau, Gesellenbrief, Vorarbeiter, Schweißerei, Abteilungsleiter der Oberflächentechnik und zeitgleich Leiter der Endmontage. „Ich wollte mehr. Mich fachlich weiterbilden, neues Wissen erwerben, das mich voranbringt, bevor ich 30 bin.“ Martin Altmeier lacht. „Das hab ich geschafft. Und zwar schneller, als ich das für möglich hielt.“

„Ich würde es sofort nochmal machen“

Der schwierigste Schritt war die Anmeldung selbst. Und als er dann an einem Donnerstag am Empfang der Handwerkskammer Trier stand, da habe man ihn gefragt, wie schnell entschlossen er denn sei. Übermorgen starte ein neuer Kurs. „So viel zum Thema Bedenkzeit“, schmunzelt Altmeier. „Aber alles lief bestens. Ich habe den Kurs auf zwei Jahre gestreckt. Wir hatten super Dozenten und eine super Lerngruppe, haben viel miteinander gelacht und viel  voneinander gelernt. Ich würde das alles sofort nochmals machen und ich bin schon ein bisschen wehmütig, dass es vorbei ist.“

Genau der richtige Zeitpunkt

Vergessen die vielen Stunden des Lernens und Büffelns. Irgendwie sei er pausenlos dran gewesen, nachts aufgestanden, um die Matheformel zu lösen, die ihm da nicht mehr aus dem Kopf ging. Seine Freundin habe ihn ganz fantastisch unterstützt. Und heute, da die beiden ihren fünf Monate alten Sonnenschein Johann in den Armen halten, wissen sie: Es war genau der richtige Zeitpunkt, so eine Ausbildung zu schultern. „Fachlich hat mich das alles riesig vorangebracht. Ich kann mein gelerntes Wissen 1:1 im Betrieb umsetzen, bin für die Ausbildung unserer Azubis verantwortlich und das macht mir riesig viel Spaß.“



Sein Rat an junge Leute: Geht ins Handwerk!

Seit Anfang des Jahres ist Altmeier für die Roboterprogrammierung zuständig, betreut verschiedene Maschinen, Schweiß und Schleifanlagen. „Auch hier muss ich noch Schulungen absolvieren. Neues zu lernen, reizt mich und von daher bin ich der Hase Geschäftsführung dankbar für die aktuelle Herausforderung.“ Sein Rat an die jungen Leute: Geht ins Handwerk! Erlernt einen Handwerksberuf! Er bringt dich im Leben weiter, ist die Grundlage für so vieles, vielleicht ja auch für ein anschließendes Studium in einem technischen Beruf. „Eine Idee im Kopf zu haben und die dann nach Kundenwunsch umzusetzen, das macht einen einfach stolz!“, spricht’s, klappt sein 160 Kilo schweres Meisterstück auf und grinst spitzbübisch. „Von einem Smoker habe ich immer geträumt. Mir selbst einen zu bauen, das hat schon was.“ Und spätestens, wenn das erste Barbecue und Pulled Pork hier im heißen Rauch gart, dann werden Martins Freunde verstehen, was es heißt, wenn einer Feuer fängt …

Martin Altmeier Meister 2021
Sandra Blass-Naisar

Er liebt die Arbeit in seiner Schreinerei in einer alten Scheune in Mayen: Schreinermeister André Johann.
Sandra Blass­-Naisar
Er liebt die Arbeit in seiner Schreinerei in einer alten Scheune in Mayen: Schreinermeister André Johann.

„Ich wollte frei sein, mein Schicksal selbst in die Hände nehmen!“



Schreinermeister André Johann: Seine Leidenschaft ist es, schöne Möbel zu bauen

„Warum ich Meister geworden bin? Ganz einfach: Ich wollte frei sein, mein Schicksal selbst in die Hände nehmen.“ Mit seinem Montagebetrieb hatte André Johann sich schon 2006 selbständig gemacht, aber nur Fenster und Türen anbieten zu können, das hat dem Mann aus Roes bei Mayen nicht gefallen. „Meine Leidenschaft ist es, schöne Möbel zu entwerfen und zu bauen.“

Meisterstück mit filigraner Intarsienblume

Wer Johanns Meisterstück sieht, der versteht, was exquisite Möbelkunst auszeichnet. Die Anrichte ist eine Kombination aus Eiche und Esche mit offenen Holzverbindungen und einem Kumiko, einer filigranen Intarsienblume, als Eyecatcher. Bezaubernd schön. André Johann hat hierfür den Craftsman-Style gewählt, eine Design- und Kunstbewegung, die bis in die 1930er Jahre verbreitet war als Reaktion auf die industrielle Fertigung. Johann: „Es geht um die Einfachheit der Form, die Sichtbarkeit des Handwerks, um die Verarbeitung von heimischen Produkten und um Originalität. Und all das treibt mich an.“

Überall Spuren des Handwerks

André Johann wollte immer ins Handwerk, Zimmerer oder Schreiner werden. „Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht die vielen Spuren des Handwerks, sieht, dass alles durch Handwerk gebaut ist. Das ist doch faszinierend!“ Er selbst baut alles gerne, liebt die Vielfalt, Massivholz. Eben gerade kommt er aus der Ergotherapie-Schule in Koblenz, wo er Ausbilder in Sachen Holzbearbeitung ist. Nach unserem Interview geht’s auch gleich weiter nach Traben-Trarbach, wo er Türen aufmessen wird. Sein schönster Auftrag zurzeit: ein Denkmalpflegeprojekt in Neuwied, wo er den alten Türen und Flurschränken aus der Zeit der Jahrhundertwende ein Windfangelement einpasst, das sich mit schlichtem Rahmen und schlichten Profilen ganz der Epoche einfügt. „Einfach schön, diese Herausforderung, etwas rund zu machen, harmonisch zu ergänzen, so als wäre es immer schon da gewesen.

Zufrieden im Handwerk und im Leben
Als Vollzeitpapa sei der Job nicht immer einfach. Und auch der Meisterkurs habe ihm so einiges abverlangt. Beinahe 200 km ist er jeden Mittwoch und Samstag zwischen seinem Haus in Roes und der Handwerkskammer Trier gependelt. „Die Ausbildung in Trier war kürzer als die in Koblenz. Und ich wollte möglichst schnell fertig werden, musste ja alle meine Kosten weitertragen. Zuhause haben meine kleine Familie und meine drei Bienenvölker auf mich gewartet.“ André Johann ist zufrieden. In seinem Haus hat er renoviert, alles selbst gemacht, Putz, Leitungen, Heizung, Böden und natürlich auch die Möbel im Kinderzimmer. Wenn seine kleine Tochter Anni durch die Werkstatt in der alten Scheune strolcht und ihrem Papa bei der Arbeit zuschaut, dann jedenfalls ist die Welt für ihn in Ordnung.

André Johann mit seinem Meisterstück
HWK Trier
André Johann mit seinem Meisterstück

Bernd Kunsmann, Bäckermeister
Privat
Bernd Kunsmann, Bäckermeister

Er ist der beste Bäcker im Land



Bernd Kunsmann setzt auf neue Rezepte, regionale Rohstoffe und Umweltschutz

Die Zeit des Lockdowns hat Bäckerei- Inhaber Bernd Kunsmann aus Zeltingen-Rachtig genutzt, um an der Handwerkskammer Koblenz seine Prüfung zum Bäckermeister mit der Note „sehr gut“ abzulegen, das beste Prüfungsergebnis seines Handwerks in Rheinland-Pfalz.

Hausgemachter Sauerteig

Beruflich bringt Bäckermeister Kunsmann sein Wissen in die Entwicklung neuer Rezepte ein und entwickelt hausgemachte Sauerteige, die er und sein Team täglich in seiner Backstube herstellen. „Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Verarbeitung regionaler Rohstoffe“, sagt Kunsmann, der sein Mehl aus einer zertifizierten Mühle der Region bezieht. Der größte Teil davon wird mit einem Silowagen angeliefert und ohne jeden Verpackungsaufwand direkt in die Mehlsilos transportiert. „Dadurch spart die Bäckerei jährlich, bei einem Verbrauch von etwa 120 Tonnen Mehl, rund 5000 Papiersäcke, die gar nicht erst als Müll entstehen.“

Umweltschutz und Fachkräftesicherung

Auch hat Kunsmann einen neuen energieeffizienten Backofen angeschafft, der allein über die Wärmerückgewinnung über 30.000 kWh Energie pro Jahr einspart. Bei neuen Rezepten, regionalen Rohstoffen und dem Umweltschutz hört das Engagement von Bernd Kunsmann nicht auf. Auch sein Betrieb leidet unter dem Fachkräftemangel. Um hier aktiv einen Beitrag zu leisten, arbeitet der Bäckermeister nebenberuflich an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues, wo er im Lehrerteam die Auszubildenden des Bäckerhandwerks schult und auf Ausbildungsveranstaltungen Schülerinnen und Schüler über den Beruf des Bäckers informiert.

Christina Rob, Augenoptikermeisterin
Privat
Christina Rob, Augenoptikermeisterin

Ein Meister ist ihr nicht genug



Die landesbeste Augenoptikermeisterin Christina Rob aus Bollendorf macht jetzt auch noch ihren Meister in der Hörgeräteakustik

Ein Meister ist ihr nicht genug. Auch, wenn sie die landesbeste Augenoptikermeisterin geworden ist. Christina Rob aus Bollendorf an der Sauer macht Ende Juli auch noch in Karlsruhe nebenberuflich ihre Schluss-Prüfungen zum Meister in der Hörgeräteakustik. „Ich war eh im Lernmodus und da habe ich den zweiten Meister einfach noch drangehangen!“, lacht die 25-Jährige und freut sich, dass alles einfach gut gelaufen ist.

Durch ein Praktikum zum Traumberuf

In Vollzeit hat sie 2019 über 11 Monate auf der Optiker-Meisterschule in Dietz ihre Ausbildung absolviert. „Es war zwar anstrengend, aber auch sehr schön, weil wir eine gute Atmosphäre hatten, viel zusammen gelacht und viel gelernt haben.“ Dass sie nach dem Abitur einen handwerklichen Beruf ergreifen würde, das stand für die Tochter aus dem Hause eines Malerbetriebs schon früh fest. Dass es die Augenoptik werden würde, das hat sich dann aber erst nach einem Praktikum gezeigt. „Schon nach kurzer Zeit wusste ich: Das will ich machen.“ Und so begann sie ihre Ausbildung in Luxemburg.

„Man sieht, wie sich der Kunde freut."

Weil man aber als Optiker eher im Verkauf arbeitet, war ihr auch hier schnell klar, dass sie sich weiterqualifizieren muss, um beispielsweise Kontaktlinsen anpassen zu dürfen oder Sehtests zu machen, was heute nach ihrem Wechsel in einen größeren Betrieb, bei Opti-vue, in Ettelbrück im Norden Luxemburgs den größten Teil ihrer Arbeit ausmacht. „Augenoptikerin zu sein, das ist eine sehr schöne Arbeit“, sagt die junge Frau, die sich in ihrer Freizeit mit akrobatischem Showtanz bei der KG Uhu Bollendorf fit hält. „Man sieht, wie sich der Kunde freut, wenn man eine schöne Brille verkauft hat, und das ist für mich auch immer eine Freude.“

Maßschneidermeisterin Denise Lattke
Privat
Maßschneidermeisterin Denise Lattke

„Ich mache Sachen zum Wohlfühlen!“



Mit Power und Kreativität: Die landesbeste Maßschneiderin Denise Lattke kommt aus Speicher

„Ich ziehe nur meine eigenen Sachen an, und das inspiriert meine Kunden!“ Maßschneiderin Denise Lattke aus Speicher ist Landesbeste in ihrem Fach, und das wundert nicht, wenn man sieht, mit wie viel Power und Kreativität die junge Frau ans Werk geht. Dabei ist sie quasi mit der Stecknadel groß geworden. „Mein Zuhause war das Änderungsatelier meiner Mutter, und ich wusste schon ganz früh, dass ich auch einmal Schneiderin werden will.“

Mit Meistertitel ins Maßschneider-Atelier

Aber die Mama sei eine Kluge und habe ihr nicht einfach den Betrieb in Speicher überlassen. „Bevor Du den Laden übernimmst, musst Du Deinen Meister machen!“ Und das sei gut gewesen, sagt Denise Lattke, denn ein Maßatelier zu führen, sei mehr als nur mit Nadel und Faden zu arbeiten. Auf der Meisterschule habe sie die Grundlagen erlernt, neben dem Handwerk auch Buchhaltung und Unternehmensführung zu beherrschen. Die ersten beiden Teile ihrer Ausbildung habe sie bei der HWK in Trier absolviert, die praktische und theoretische Phase dann in Koblenz. „Die Schule hat mir geholfen, sicherer in meinem Handwerk zu werden und andere Herangehensweisen zu lernen. Zum Beispiel von einem Dozenten, der als Gewandmeister seine Theatererfahrung mit einbrachte. Das war einfach großartig.“

Sehr frech, frisch und sexy

Ihr Meisterstück: ein schwarzblauer Hosenanzug im Marlene-Stil mit türkis-lilafarbenem Effektfutter, bis unter die Brust hoch geschnitten und kombiniert mit einem Spitzenbody. Sehr frech, sehr frisch, sehr sexy, ein Hauch Haute Couture. „In unserer Änderungsschneiderei, die ich noch gemeinsam mit Mama führe, geht es allerdings viel mehr um Alltagskleidung“, sagt die Maßschneiderin. „Wir machen Sachen zum Wohlfühlen und nicht, um sie im Schrank hängen zu lassen für den passenden Anlass.“ Auch das Thema Nachhaltigkeit sei ihr ein riesiges Anliegen. Beim Upcycling werden alte Sachen aufgepeppt und neu interpretiert. Das sei gerade in Corona-Zeiten gut bei den Kunden angekommen. Kreativität, das ist es, was in der Modebranche den Unterschied macht. Und wenn Nachhaltigkeit, Originalität und Kreativität zusammenkommen, dann ist das Zukunft.

Sie nimmt sich immer Zeit für ein Gespräch, bevor sie loslegt: Eine gute Beratung ist für Salonleiterin Luisa Wilhelmi das A und O.
Sandra Blass-­Naisar
Sie nimmt sich immer Zeit für ein Gespräch, bevor sie loslegt: Eine gute Beratung ist für Salonleiterin Luisa Wilhelmi das A und O.

„Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können, als Friseurin zu werden!“



Von der Praktikantin im Salon zur Meisterin: Luisa Wilhelmi ist kreativ und immer gut gelaunt

Schon als kleines Mädchen hat sie ihre Mama frisiert. Die Haare sorgsam gekämmt, geflochten, hochgesteckt, einfach alles  gemacht, was ihr so in den Sinn kam und sie schön fand. Die Mama ist Friseurin aus Leidenschaft, und das Kreativ-Gen für alles, was mit Haaren zu tun hat, ist wohl auf ihre Tochter Luisa übergesprungen. Und auch das Gute-Laune-Gen. Jedenfalls bekennt die 27-Jährige: „Ich habe mir nie etwas anderes vorstellen können als Friseurin zu werden!“

Mit dem Meistertitel kam die Salonleitung

Dass sie ihren Meister machen werde, das war eigentlich nie ihr größtes Ziel. Aber als vor vier Jahren ihre Kollegin und Freundin Sophia die Idee anstieß, da sei sie gleich Feuer und Flamme gewesen. „Gemeinsam den Meister zu machen, das hat mir gefallen. Alleine hätte es bei mir wohl noch ein bisschen gedauert“, lacht Luisa Wilhelmi, die seit 2009 in Schweich in der „Perfect Color World“ arbeitet und mit dem Meistertitel auch die Salonleitung übernommen hat.

Anerkennung und Zuspruch von allen Seiten

Von der Praktikantin in der siebten Klasse über den Lehrling im Salon zum Meister. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, so viel Anerkennung und Zuspruch von den Kunden und auch vom Team zu bekommen.“ Schon früh hat sie auf eigenen Beinen stehen müssen. Selbstbewusst und diszipliniert. Kurz nach ihrer Lehrzeit hat sie die Kunden von einem Kollegen, „dem absoluten Star im Salon“, übernehmen müssen, und ständig hätten die Kunden angemerkt: „Das hat ihr Kollege aber immer so gemacht.“ Ein Satz, der ihr zwar manchmal wehgetan, sie aber auch stark gemacht habe.

Weiterbildung ist das A und O

Dass sie sich durch den Meisterkurs menschlich und fachlich derart weiterentwickeln konnte, das habe sie nicht für möglich gehalten. „Ich habe von meinen Dozenten sehr viel in Sachen Personalführung und unternehmerisches Denken gelernt, vor allem von Dirk Ostermann, bei dem ich den Ausbilderschein gemacht habe.“ Sie habe sich auch schon vorher gerne um die Azubis im Salon gekümmert, aber jetzt sei ihr das ein ganz spezielles Anliegen. Fachlich würden alle im Team auf sehr hohem Niveau arbeiten. Ihr „alter Chef“, Edgar Krämer, habe höchsten Wert darauf gelegt, und auch der neue Inhaber, Jörn Musti, investiere viel in Seminare und Schulungen für das Team, denn Weiterbildung sei das A und O.

Meisterausbildung in Trier goldrichtig

„Die nebenberuflich zu machende Meisterausbildung in Trier war genau die richtige Entscheidung“, sieht es Luisa Wilhelmi. Auch andere Kammern, die den Meisterkurs in sechs Monaten Vollzeit anbieten, seien im Gespräch gewesen, „aber ein Info-Abend bei der HWK Trier hat uns überzeugt und im Rückblick muss ich sagen, dass die Schulung über ein ganzes Jahr so viel mehr gebracht hat.“

Das Gute-Laune-Gen

Sich kreativ ausleben, sehen, was man macht, sich über das Ergebnis freuen – das sei das Schöne im Handwerk. Zum Glück der frischgebackenen Meisterin gehören indes nicht nur Freund und Familie, ihre quirlige kleine Nichte und die täglichen Spaziergänge mit dem Hund, sondern vor allem auch die Leidenschaft und Liebe für den Karnevals-Club Kenn. Von klein auf. Heute arbeitet sie im Vorstand mit, ist als Tänzerin und Trainerin im Einsatz, „denn Karneval ist irgendwie das ganze Jahr“. Und wer Luisa Wilhelmi kennt, der weiß, dass zwischen ihrer Kunst und dem Karneval immer ein Lachen steht.

Luisa Wilhelmi Meister 2021
Sandra Blass-Naisar

An den Spachtel geht¿s und los: ¿Betonoptik¿, das ist eine Kunst, die Malermeister Thomas Stief besonders gut von der Hand geht.
Sandra Blass-­Naisar
An den Spachtel geht¿s und los: ¿Betonoptik¿, das ist eine Kunst, die Malermeister Thomas Stief besonders gut von der Hand geht.

Vom Praktikanten zum Firmenchef



Wie Maler und Lackierer Thomas Stief durch Zufall zu Maler Berens kam – und dort vom Praktikanten zum Inhaber aufgestiegen ist.

Im Frühjahr 2001 macht Schulabgänger Thomas Stief ein Praktikum beim Dachdecker. Doch es ist nicht das Richtige für ihn. Also Plan B: Anfrage bei Maler Berens, in seinem Heimatort Schöndorf. Einfach ausprobieren, warum nicht. Denn nach wie vor will er ins Handwerk. Etwas Praktisches machen und am Ende des Tages auf das eigene Werk schauen. Dass er damit die entscheidende Weiche für sein Leben stellt, ahnt der damals 16-Jährige noch nicht.

Jeden Tag dasselbe? Nicht als Maler!

„Das Maler-Praktikum war als Notlösung gedacht. Aber dann hat es mir unerwartet gut gefallen“, erinnert er sich. Schnell wandelt sich sein Bild von Malerberuf. „Jeden Tag dasselbe, bei Oma das Wohnzimmer schön tapezieren, und das war’s dann? Die Realität sieht ganz anders aus: Der Beruf ist abwechslungsreich, vielseitig und kreativ!“ Also geht er bei Maler Berens in die Lehre, wächst in den Beruf und den Betrieb hinein. 2005 legt er mit dem Gesellenbrief den Grundstein für seine Zukunft.

Sprung in die Selbstständigkeit

Karriere im Maler- und Lackiererhandwerk? Aber ja! Dafür stehen viele Türen offen: der Meistertitel etwa, die Technikerprüfung oder die Selbstständigkeit. Als Maler Berens einen Nachfolger sucht, wagt Thomas Stief 2017 gemeinsam mit einem Kollegen den Sprung in die Selbstständigkeit. Er will sich weiterqualifizieren und macht seinen Meister. „Das hat sich rundum gelohnt. Allein, um das Wissen aus der Lehre aufzufrischen und auszubauen. Als Unternehmer will ich up to date bleiben“, sagt der 34-Jährige. „Mit dem Know-how aus dem Meisterkurs kann ich bei Kunden und Architekten noch kompetenter auftreten.“

Zeit für handwerklichen Nachwuchs

Mit der Übernahme hat Maler Berens seinen Standort nach Trier verlegt. Zehn Mitarbeiter hat der Betrieb. „Die ideale Größe, um alle Abläufe zu überblicken“, findet Stief. Auch für den handwerklichen Nachwuchs muss Zeit bleiben. Im Meisterlehrgang hat er seinen Ausbilderschein gemacht. Damit darf er Lehrlinge ausbilden. Für 2021 hat der Betrieb schon einen passenden Azubi gefunden. Um Nachwuchs zu gewinnen, wirbt er auch in Schulen für das Handwerk.

Malerhandwerk - zukunftssicher und krisenfest

Wenn Maler Berens kommt, steht etwa „Betonoptik“ auf dem Stundenplan. Die Schülerinnen und Schüler freut das: Raus in den Schulhof, Ärmel hochkrempeln und spachteln! „Maler werden immer gebraucht. Der Beruf ist zukunftssicher und krisenfest“, macht Stief den jungen Leuten klar. „Außerdem verdienen Handwerker mit der Zeit immer besser.“ Qualität in der Ausbildung zu sichern, ist ihm wichtig. Daher engagiert er sich ehrenamtlich im HWK-Gesellenprüfungsausschuss.

Im Eigenheim verewigt

Verantwortung für die junge Generation übernimmt er auch zuhause. Mit Frau, Sohn und Tochter lebt der junge Familienvater in einem Eigenheim. Als Malerprofi hat er sich in seinen vier Wänden natürlich auch verewigt: Böden gelegt, Wände eingezogen, tapeziert, gestrichen. „Schlammtöne sind derzeit sehr beliebt“, erklärt der Jungunternehmer. „Aber es wird wieder farbiger, wenn auch eher gedeckt. Daheim bevorzuge ich klassische Farben. Und wenn wir mal Lust auf was anderes haben, streiche ich kurzerhand um.“ Ansonsten lässt er die Arbeit nach Feierabend möglichst im Betrieb: „Daheim gehört die Zeit meiner Familie!“

Thomas Stief Meister 2021
Sandra Blass-Naisar

Während des Meisterkurses hat Jan Reinhardt Schule und Arbeit prima kombinieren können.
Sandra Blass­-Naisar
Während des Meisterkurses hat Jan Reinhardt Schule und Arbeit prima kombinieren können.

„Der Werkstoff Holz fasziniert mich!“



Als Meister kann Jan Reinhardt endlich eigene Baustellen planen und ausführen

„Ich liebe Holz!“, sagt Jan Reinhardt und erinnert sich, schon als Kind von Holz fasziniert gewesen zu sein. „Ich komme aus Vierherrenborn. Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und da habe ich von klein auf mitgeholfen. Es gab immer etwas zu tun. Und wenn mein Vater mich in den Wald mitgenommen hat, war das für mich Arbeit und Freude zugleich!“ Irgendwie lag es auf der Hand, dass Jan Reinhardt Zimmerer wurde. „Der Werkstoff Holz fasziniert mich immer noch, und das wird wohl auch so bleiben.“

Sehen, was man geschafft hat

Was er in seinem Job am meisten liebt? „Ein Dach aufrichten. Ein Holzhaus bauen. Das macht einfach Spaß, und abends sieht man, was man geschafft hat. Und auch Jahre später, wenn man an einem Haus vorbeifährt, das man selbst mitgebaut hat, dann erinnert man sich. Und das ist ein schönes Gefühl.“

Unterstützung und Motivation vom Chef

Dass er den Meister gemacht hat, das habe auch mit seinem alten Chef aus Rascheid zu tun. Da habe er nach seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung in Zerf in der Zimmerei Ludwig fünf Jahre gearbeitet und viel gelernt. „Bei einem Grillabend in der Firma hab‘ ich erzählt, dass ich gerne den Meister machen würde und prompt hat mir mein Chef alle Unterstützung angeboten und mich weiter motiviert.“

Nebenberuflich zum Meister

Mit dem Ausbilderschein hat Reinhardt 2017 angefangen und im Jahr darauf den Rest abgewickelt. „Der Meisterkurs war für mich keine große Belastung. Ich konnte Schule und Arbeit prima kombinieren, konnte das, was ich in der Theorie in der Schule gelernt hatte, auch gleich in der Praxis auf der Baustelle umsetzen!“ Den Meister nebenberuflich zu machen, das sei ein tolles Angebot, weil man im Beruf bleibt und sich auch um das Finanzielle keine Gedanken machen müsse.

Aus dem Meisterkurs viel mitgenommen

Was sich für ihn geändert hat, seit er Meister ist? „Ich kann bei der Planung von Baustellen aktiv mitwirken, diese ausführen und Verantwortung übernehmen. Ich bin in der Fachtheorie und Bauphysik einfach fit.“ Profitiert habe er in der Meisterausbildung vor allem auch vom Umgang mit dem CAD-Zeichenprogramm. „Damit arbeite ich jetzt hier.“ Seit letztem Jahr nämlich ist Jan Reinhardt bei der Firma Holzbau Simon in Saarburg-Beurig beschäftigt. „Die Nähe zum Zuhause in Vierherrenborn macht vieles einfach leichter“, sagt der frischgebackene Meister, der in seiner Freizeit seit mehr als zehn Jahren auch in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert ist, gerne mit dem Motorrad über Land fährt und seine Heimat liebt.

Jan Reinhardt Meister 2021
Sandra Blass-Naisar

Zahntechnikerin Jessica Barth hat sich auf die digitale  Herstellung von Zahnersatz mittels CAD/CAM spezialisiert.
Privat
Zahntechnikerin Jessica Barth hat sich auf die digitale Herstellung von Zahnersatz mittels CAD/CAM spezialisiert.

„Mit dem Meistertitel stehen einem alle Türen offen“



Jessica Barth wollte eigentlich Zahnmedizin studieren und ist dann Zahntechnikerin geworden

Was es ihr bedeutet, Handwerksmeisterin zu sein? „Viel“, sagt Zahntechnikerin Jessica Barth. „Man beweist, dass man gut in seinem Beruf ist. Ich freue mich, wenn ich meinen Meisterbrief bekomme, coronabedingt leider ohne Meisterfeier. Ich hätte gerne alle noch einmal gesehen, um diesen großen Schritt gebührend zu feiern!“

Begehrte Fachkraft mit noch mehr Wissen

Den Meister habe sie gemacht, um besser zu werden in ihrem Beruf. „Und für mich selbst. Ich wollte mir beweisen, dass ich diesen Schritt schaffe.“ Mit dem Meistertitel, so sieht es die junge Zahntechnikerin aus Merzig, stünden einem alle Türen offen. „Man ist eine begehrte Fachkraft und hat mehr Fachwissen in allen Bereichen!“

Lernen von den Mitschülern

Viel habe sie in der Meisterausbildung auch von den anderen Mitschülern gelernt. Jeder habe von seinen Erfahrungen und den ganz unterschiedlichen Herangehensweisen berichtet. „Ich arbeite in einem großen Labor, dem Dental Studio Scheid in Merzig, mit mehreren Abteilungen. Vieles, was in der Meisterprüfung verlangt wird, habe ich im Lehrgang gelernt beziehungsweise aufgefrischt. Wir arbeiten viel digital. In der Prüfung wird jedoch noch alles von Hand gefertigt.“

Immer Hilfe bei Problemen

Sie habe niemals damit gerechnet, die Prüfung so erfolgreich abzuschließen, umso mehr freue sie sich über das Ergebnis. „Ich hatte sehr viel neben der Arbeit für die praktische Prüfung geübt und hatte im Labor immer jemanden, der mir bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat.“

Lehre und Meistertitel statt Studium

Eigentlich wollte Jessica Barth Zahnmedizin studieren, aber der Abischnitt war nicht gut genug, um gleich mit dem Studium zu beginnen. Alternative: eine Ausbildung in der Zahntechnik, die sie dann von 2010 bis 2014 in Merzig absolviert hat. „Schon im Praktikum habe ich festgestellt, wie vielfältig und abwechslungsreich man hier arbeiten kann und mit wie vielen verschiedenen Materialien – Keramik, Metall, Kunststoff, Wachs. „Ich bin dann in der Zahntechnik geblieben, weil mir die Arbeit viel Spaß gemacht hat und es auch niemals langweilig wird.

Mit Computertechnik zum individuellen Zahnersatz

Jeder Patient, für den man einen Zahnersatz herstellt, ist individuell und somit wird man jedes Mal aufs Neue herausgefordert. Besonders spannend und worauf ich mich in unserem Labor spezialisiert habe, ist die digitale Herstellung von Zahnersatz mittels CAD/CAM.“ Jetzt gelte es erst einmal Erfahrungen als Meisterin zu sammeln und so viel wie möglich von den anderen Meistern, die langjährige Erfahrungen in der Zahntechnik haben, zu lernen. Auch freue sie sich darauf, persönlich im Betrieb Lehrlinge auszubilden. „Der Fachkräftemangel ist ein riesiges Thema, und daher bilden wir jedes Jahr aus, da es schwierig ist, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.“ Zurzeit hat Jessica Barth eine Menge um die Ohren. Der Beruf fordert sie und auch der Hausbau mit ihrem Freund, bei dem sie vieles selbst machen. Für ihre Hobbys, Handball, Fahrradfahren, Wandern und mal eine gute Serie schauen, bleibt daher gerade etwas weniger Zeit.

So schön kann Entspannung nach der Arbeit sein: Tobias Krings mit seiner neuesten Errungenschaft.
Sandra Blass­-Naisar
So schön kann Entspannung nach der Arbeit sein: Tobias Krings mit seiner neuesten Errungenschaft.

„So jung Meister zu sein, ist ein Push fürs Selbstbewusstsein!“



Tobias Krings – sie nannten ihn „Brain“ im Kurs der Installateur und Heizungsbauer

Ihm selbst ist’s eigentlich peinlich. „Brain“ (Gehirn) war sein Spitzname im Kurs der Installateur und Heizungsbauer. Und das sagt eigentlich alles. Irgendwie ist dem 24 Jahre alten Tobias Krings immer vieles zugefallen. „In der Schule war ich überhaupt nicht der Lerntyp. Ich wollte arbeiten gehen. Tja, und dann, ich weiß auch nicht wie, bin ich explodiert. Von Lehrjahr zu Lehrjahr wurde ich besser“, sagt der Trierer und zuckt schelmisch die Schultern. „Wenn ich mich für etwas interessiere, dann brauche ich dafür nicht viel zu tun. Ich bin neugierig, frage und passe auf.“

SHK-Profi statt Kfz-Mechatroniker

Eigentlich wollte er Kfz-Mechatroniker werden, weil Autos und Motorräder nun einmal seine Leidenschaft sind. Als ihm aber ein Kollege von den interessanten Aufgaben eines Installateur und Heizungsbauers erzählt hat, war er direkt Feuer und Flamme. „Und ich habe dann eine gute bis sehr gute Ausbildung hingelegt.“ Will heißen: Tobias Krings hat 2017 die beste Gesellenprüfung in Trier gemacht und auf die Ermunterung von HWK-Ausbildungsberater Karl-Heinz Schwall am Landes-Leistungswettbewerb teilgenommen, wo er „leider nur den vierten Platz gemacht“ hat.

Karrieresprung mit Stipendium

Seine gute Gesellenprüfung und der Erfolg beim Leistungswettbewerb brachten ihm ein Stipendium bei der SBB, der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung, ein. Und so ging es für den zielstrebigen jungen Mann gleich mit der Weiterbildung zum Servicetechniker und dem Meisterkurs weiter.

Ihr Projekt - ein Muster für den nächsten Meisterkurs

Mittendrin dann ein Arbeitsplatz-Wechsel vom Trierer Paul Wirtz zur Pellinger WS Brennertechnik und ein herausforderndes Abschlussprojekt, an dem sie zu dritt gearbeitet haben: die Kernsanierung eines Altbaus mit allen Datenberechnungen. „Sich neben Schule und Arbeit abends und am Wochenende nochmals hinzusetzen, um hier zu brüten und zu tüfteln, war schon nicht so ohne.“ Eine Woche vor der schriftlichen Prüfung sind die Drei fertig geworden, wurden mit einem „Sehr gut“ belohnt und freuen sich, dass ihr Projekt künftig ein Muster für den nächsten Meisterkurs sein wird.

„Push fürs Selbstbewusstsein“

Seinen Beruf liebt Tobias Krings, eben weil er so abwechslungsreich und immer voller neuer Tücken steckt. „Jede Anlage ist anders, und ich habe da eine Begabung, Fehler schnell aufzuspüren und zu beheben. Das macht einfach nur Spaß.“ So jung Meister zu sein, sei ein „Push fürs Selbstbewusstsein“, wenngleich sie bei WS Brennertechnik in Pellingen zu dritt seien, alle drei Meister. Sie bilden demnächst den ersten Azubi aus. Eine Luxusbetreuung für den Neuen.

Rundum zufrieden

Bei der Biographie, wie sieht es aus in Sachen Studium? „Erst einmal nicht“, grinst Tobias Krings schon wieder so schelmisch. „Irgendwie war ich bisher immer nur am Lernen. Jetzt will ich auch mal das Leben genießen und das Geld, das ich verdiene.“ Neben dem neuen Auto vor dem Haus glänzt ein nagelneues Motorrad und mit dem neuen E-Bike, was er über JobRad leasen möchte, will Tobias an seiner Fitness und Kondition arbeiten. „Ich bin zufrieden in meiner neuen Firma. Super Kollegen, super Atmosphäre. Da bleib ich jetzt erst einmal!“

Tobias Krings wurde von der Handwerkskammer Trier zu seinem Ausbildungsbetrieb Paul Wirtz vermittelt.

Tobias Krings, Gesellenprüfung 2017
HWK Trier
Tobias Krings, Gesellenprüfung 2017

Kraftfahrzeugtechnikermeister David Ludwig
Sandra Blass­-Naisar
Kraftfahrzeugtechnikermeister David Ludwig

„Ich bin Praktiker und Handwerker mit Leib und Seele“



Kraftfahrzeugtechnikermeister David Ludwig liebt seinen Job, weil er so abwechslungsreich ist

Ob es nun ein Fehler in der Elektrik ist, die Hydraulik hakt, der Motor muckt oder einfach nur der Antrieb defekt ist – David Ludwig sorgt dafür, dass in der Welt der Gabelstapler und Spezialfahrzeuge alles rund läuft. Und das wissen nicht nur seine Kunden zu schätzen, sondern auch sein Arbeitgeber, die Alfons Strupp GmbH in Wellen. Seit 2015 arbeitet der 32-Jährige hier im Service und ist eigentlich die ganze Woche über mit seinem Werkstatt-Bus on Tour, um Gabelstapler und andere Maschinen wieder auf Vordermann zu bringen. „Ich bin Praktiker und Handwerker mit Leib und Seele“, sagt der Kraftfahrzeugtechnikermeister, der seinen Job liebt, weil er so abwechslungsreich ist und man so individuell arbeiten kann.

Bürojob? Kam ihm nicht in die Tüte!

„Ich hätte nie einen Bürojob machen können, weil ich nicht stur und starr nach Plan arbeiten kann!“ Über 30.000 Kilometer fährt David Ludwig im Jahr mit seinem Werkstattbus, vom Hunsrück bis in die Eifel, vom Westerwald bis ins Saarland und nach Luxemburg. Schon als kleiner Junge sei er fasziniert gewesen von Maschinen. „Mein Patenonkel hat einen landwirtschaftlichen Betrieb, und da liegt es auf der Hand, dass ich auch viel mit Maschinen zu tun hatte. Mit meinem Vater hab‘ ich ständig an etwas gewerkelt und geschraubt. Er hat immer gesagt, ich sei ein Erbsenzähler, weil ich nicht aufgehört habe, bis es perfekt war.“

Noch eine zweite Ausbildung draufgesetzt

Schon früh sei für ihn klar gewesen: Du wirst Fahrzeugbaumechaniker. In der Lehre dann habe er sich gesagt: Das kann nicht alles sein. Und prompt hat er eine zweite Ausbildung angehangen: die zum Nutzfahrzeugmechaniker. Als Bausendorfer Junge ist er dann zu Mercedes Hess nach Wittlich gegangen. „Sechs Jahre war ich da, und die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht, weil wir ein sehr gutes, kompetentes Team hatten und ich viel von dem mitarbeitenden Meister gelernt habe.“

Teilzeit-Lehrgang entspannter als Vollzeit

Als dann die Zeit reif für eine Veränderung war und David Ludwig zur Firma Alfons Strupp in Wellen wechselte, entschied er sich gemeinsam mit seinem Freund, den er bei Hess in Wittlich kennengelernt hatte, den Meister zu machen. Bei der HWK Koblenz begann er in Vollzeit die Teile III und IV der Meistersausbildung. „Das war knallhart und ich war heilfroh, in Trier bei der HWK berufsbegleitend weitermachen zu können. Das war zwar auch Stress, und man musste sich am Riemen reißen, aber es war allemal angenehmer als die Vollzeit-Schule. Toll haben mich in dieser Zeit meine Freundin und die Familie unterstützt, vor allem vor der Prüfung, wenn die Zündschnur etwas kürzer ist.“

Meisterausbildung als Karriereschritt

Den Meister zu machen, das sei für ihn eine Investition in die Zukunft gewesen. „Ich wollte mich sicher aufstellen, mich weiterentwickeln, mein Fachwissen erweitern. Man weiß nie, was passiert. Zurzeit macht mir die Schrauberei Spaß, aber später will ich vielleicht mehr im Prüfservice arbeiten oder mein Nebengewerbe zur Selbstständigkeit ausbauen.“

Stolze Chefs und ein stolzer Meister: Heiko Strupp und Nicole Zeimet von der Wellener Firma Alfons Strupp mit David Ludwig auf dem Gabelstapler.
Sandra Blass-Naisar
Stolze Chefs und ein stolzer Meister: Heiko Strupp und Nicole Zeimet von der Wellener Firma Alfons Strupp mit David Ludwig auf dem Gabelstapler.

 

Mehr Infos zu den Meisterkursen finden Sie hier. Die neuen Lehrgänge starten im September 2022!

Neuenfeldt, Christian

Christian Neuenfeldt

Abteilungsleiter Akademie

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54292 Trier
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