Einzige weibliche Auszubildende im Zimmererhandwerk legte beste Zwischenprüfung ab
Als „Lehrling des Monats“ zeichneten Handwerkskammerpräsident Rudi Müller und Raimund Licht von der Kreishandwerkerschaft MEHR Madeleine Oster aus. Die Auszubildende im Zimmererhandwerk absolviert derzeit in Bernkastel-Kues-Andel eine Lehrzeit im elterlichen Betrieb Franz-Josef Oster, Bedachung-Zimmerei-Klempnerei. Damit ist die 21-Jährige zugleich der erste „Lehrling des Monats“, der im elterlichen Betrieb ausgebildet wird. Ausschlaggebend für die Ehrung sind ihre außerordentlich guten Leistungen.

Inhaber Franz-Josef und Karin Oster, Kreishandwerksmeister Raimund Licht, Zimmerermeister und Restaurator Friedhelm Caspari, Madeleine Oster, Zimmerer- und Dachdeckermeister Stefan Leinen, Hwk-Präsident Rudi Müller.
Mit weit überdurchschnittlichen Noten hat Madeleine Oster in der Zwischenprüfung das beste Ergebnis erzielt. Als derzeit einzige weibliche Auszubildende unter 67 Lehrlingen im Zimmererhandwerk hat sie damit ihre männlichen Mitstreiter weit hinter sich gelassen. Angehende Zimmerinnen sind ohnehin eine Seltenheit: In den vergangenen 15 Jahren hatten sich in der Region lediglich sieben junge Frauen für eine Lehre in diesem Gewerk entschieden.
Schon früh schnupperte Madeleine Oster im elterlichen Betrieb Werkstattluft und verfolgte hautnah das vielseitige und kreative Arbeiten der Zimmerleute. So kam es nicht von ungefähr, dass Madeleine eine Vorliebe für diesen Handwerksberuf entwickelte. „Offenbar wurde ihr das handwerkliche Talent schon in die Wiege gelegt“, mutmaßte Rudi Müller bei der Preisverleihung. Zudem verfüge sie über handwerkliches Geschick, auch gezeichnet habe sie schon immer gern. „Sie ist vielseitig interessiert und hat stets über den Tellerrand hinausgeschaut“, betonte der Handwerkskammerpräsident und lobte damit unter anderem ihre Auslandserfahrungen. Als Elftklässlerin war Madeleine für ein Jahr lang in den USA zur Schule gegangen, nach dem Abitur hat sie einen Monat lang Australien bereist. Neben dem handwerklichen beweist die junge Frau auch musikalisches Talent: Sie spielt Geige und Querflöte.
Die Welt erobern und hoch hinaus – auch beruflich will die junge Handwerkerin durchstarten. Im Anschluss an die Gesellenprüfung – die Lehrzeit ist aufgrund ihrer Hochschulreife auf zwei Jahre verkürzt – will sie die Meisterschule besuchen. Danach soll es zum Studium wieder in die Ferne gehen. Ausgesucht hat die junge Frau sich dafür nach eigenen Angaben die Fachhochschule Rosenheim. „Je höher die Qualifikation ist, umso besser sind erfahrungsgemäß die Karrierechancen“, befürwortete Rudi Müller die beruflichen Pläne der Unternehmertochter.
Neben der Ehrenurkunde der Handwerkskammer erhielt der „Lehrling des Monats“ auf Wunsch einen Werkzeuggutschein - ein weiterer Beweis dafür, wie sehr sich Madeleine Oster mit ihrem Beruf identifiziert. Die Firma Franz-Josef Oster gehöre seit vielen Jahren zu den engagiertesten Ausbildungsbetrieben in der Region, betonte der Kammerpräsident und bedankte sich dafür bei Madeleines Vater mit einer Urkunde der Hwk Trier. „Aber es ist natürlich etwas ganz Besonderes, wenn man die eigenen Kinder ausbildet. Das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein, denn Berufliches und Privates lassen sich dabei nicht immer voneinander trennen. In diesem Fall aber hat sich das Ganze für beide Seiten richtig gelohnt."
Mit der Ehrung „Lehrling des Monats“ wollen Kammer, Kreishandwerkerschaften und Innungen vorbildliche Ausbildungsleistungen ihres Nachwuchses auszeichnen und auf die qualitativ hochwertige Berufsausbildung im Handwerk aufmerksam machen.